Guantanamo Kid

franc-guantanamo-kidDieses Album macht vor allem eins: wütend! Wütend auf Regierungen, die Folter einsetzen. Und wütend auf Regierungen, die Menschen in der Hölle von Guantanamo leiden ließen, obwohl sie ihnen hätten helfen können (Murat Kurnaz).

Mohammed el Gharani war ein 14jähriger Jugendlicher aus Saudi-Arabien, der in Pakistan einen Computerkurs absolvierte, um mit diesem Wissen zuhause Geld verdienen zu können, statt Wasser und Gebetsketten an abgasvergifteten Straßenkreuzungen verkaufen zu müssen. Nach den Anschlägen vom 11. September wurde er in Pakistan verhaftet und für 5000 Dollar (wie viele andere Gefangene auch) von den Pakistani an die US-Amerikaner verscherbelt. Und vom ersten Tag an gefoltert: Schläge, Schlafentzug, Elektroschocks – die ganze Palette. Wo Osama Bin Laden sei, wollen sie wissen. Lange ist nicht mal klar, weshalb er überhaupt inhaftiert worden ist. Dann behaupten seine Wärter, er habe 1993 in London einer geheimen Gruppe von Al-Quaida angehört. Abgesehen davon, dass Mohammed nie in London gewesen ist: 1993 war er sechs Jahre alt. Aber wen schert die Wahrheit, wenn man ungestraft drauflos foltern kann.

Doch Mohammed ist nicht doof: Er erkennt schnell, dass die Schergen zwar gerne ihre sadistischen Fantasien an den Gefangenen ausleben. Er merkt aber auch, dass sie sich zurückhalten, wenn die Gefahr besteht, dass die Öffentlichkeit davon erfährt, denn das schadet dem Image der USA. Also organisiert Mohammed mit anderen Gefangenen Widerstandsaktionen, und hat teilweise Erfolg.

Doch auch nach seiner mühsam erkämpften Entlassung nach acht Jahren Folterknast hat die Quälerei kein Ende. Autor Jérôme Tubiana beschreibt im Anhang, wie US-Geheimdienste Mohammend das Leben selbst nach seiner Entlassenen noch schwer machen. Es macht wirklich wütend, dieses Album. Sehr wütend. Und genau deshalb sollte man es lesen.

Alexandre Franc, Jérôme Tubiana: Guantanamo Kid
Die wahre Geschichte des Mohammed el Gharani
176 SW-Seiten, gebunden, 20,- Euro, Carlsen, ISBN 978-3-551-77252-7

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