Africa dreams

bihel-africa-dreamsVerlagstext: Von 1885 bis 1908 existierte in Zentralafrika der Kongo-Freistaat unter der souveränen Herrschaft und im persönlichen Besitz von König Leopold II. von Belgien. Nachdem er das Land unter dem Deckmantel der Philanthropie und der wissenschaftlichen Forschung hatte erkunden lassen, lenkte Leopold um auf einen politischen Kurs der aggressiven Ausbeutung. Mehrere Millionen Afrikaner starben durch diese sogenannten »Kongogräuel«. Ihr feines Gespür für historische Comics an exotischen Orten hat das Szenaristen-Ehepaar Charles spätestens mit »India Dreams« eindrucksvoll unter Beweis gestellt. »Africa Dreams« hat ein ungleich ernsteres Thema, das aus den Perspektiven verschiedener Zeitgenossen wie des jungen Missionars Paul Delisle oder des Forschers Henry Morton Stanley aufgefächert wird. Zeichner Frédéric Bihel illustriert aber auch die Magie von Land und Leuten und lässt den Zauber Afrikas aus den Seiten strahlen.

Das tut er. Und wie! Während India Dreams ursprünglich in kleinem Book-Format erschienen ist (und erst später als Album neu aufgelegt wurde), kommt Africa Dreams gleich im Alben-Format daher, wodurch die Bilder genügend Raum haben, um wirken zu können. Ob königlicher Palast in Brüssel oder Regenwald und Dschungel in Afrika – es lohnt, dieses Album schon alleine seiner Zeichnungen wegen zu lesen. Und während die Story von India Dreams reichlich konstruiert (und teilweise auch kitschig) wirkte, haben Maryse und Jean-François Charles ihre afrikanische Erzählung voll im Griff.

Sie ist mit ihren insgesamt vier Bänden, die hier in einer Gesamtausgabe zusammengefasst sind, ein echter Schmöker, der immer wieder zwischen dem Leben in den kleinen kongolesischen Siedlungen und den Regierungsstellen in Belgien pendelt. Auch die Kirche hat ihre Hand im Spiel – möchte sie doch aus unzivilisierten Wilden ehrbare Christen machen. Mit welchen Mitteln auch immer.

Die Mittel sind auch dem König und seinen Expeditionen egal. Wer zu wenig Kautschuk sammelt, wird zu Tode gepeitscht, wer sich weigert, sich versklaven zu lassen, dem werden Frau und Kinder entführt, und wieder einmal wird deutlich, dass sich zwar einzelne Priester und Diplomaten gegen diese Barbarei, die die christlich-zivilisierte Welt über die Afrikaner bringt, wehren, die Institutionen, denen sie angehören, aber alles versuchen, um diese Proteste im Keim zu ersticken. Ein Album, das ebenso informiert wie unterhält und einen starken Einblick in koloniale Strukturen bietet, die sich bis heute nicht wesentlich geändert haben, sondern nur anders heißen.

Frédéric Bihel, Maryse Charles, Jean-François Charles: Africa Dreams
200 Seiten, gebunden, 36,- Euro, Splitter, ISBN 978-3-96219-190-0
> Leseprobe

Werbeanzeigen

Kommentieren?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.