Der Ursprung der Welt

stroemquist-ursprung-der-weltDie schwedische Politikwissenschaftlerin Liv Strömquist präsentiert die Kulturgeschichte der Vulva – und das auf amüsante Weise. Wenn auch die historischen Fakten alles andere als amüsant sind, denn in einer patriarchalen Welt wird auch die weibliche Sexualität aus männlicher Sicht definiert. Das führte zu ebenso absurden wie lustfeindlichen Ansichten, die noch dazu im Laufe der Geschichte immer wieder auf abenteuerliche Weise wechselten.

Nehmen wir das Thema Fortpflanzung. Zeitweise vertrat die Medizin die Auffassung, ein Kind könne nur empfangen werden, während die Frau einen Orgasmus hat. Später wiederum war der Orgasmus völlig unwichtig für die Empfänglichkeit. Als frigide galt frau aber grundsätzlich immer, wenn sie während des vaginalen Geschlechtsverkehrs keinen Orgasmus bekam – selbst wenn sie während der Selbstbefriedigung juchzend von einem in den anderen fiel. Onanie galt als schädlich und als Ursache für so ziemlich alle körperlichen Übel von Krebs bis Epilepsie. Aber das war ja auch bei den Männern so.

Manchmal erinnert Strömquists Album an Flemings Das Problem mit den Frauen – in beiden wird männliche Beschränktheit süffisant vor- und ad ab surdum geführt. Wobei es bei Strömquist nicht allgemein um die Rolle der Frau in der Gesellschaft, sondern konkret um weibliche Sexualität von Menstruation bis Orgasmus geht. Das liest sich nicht nur hochgradig spannend und informativ, das ist streckenweise auch witzig und verblüffend. Die Zeichnungen reißen nicht vom Hocker, Text lettert sie aber so unterschiedlich groß klein quer dick zart fett und sonstwie durcheinander, dass man schon das Layout als Gesamtkunstwerk sehen kann. Ein must-have für alle Männer, Frauen und sonstigen Geschlechter.

Top 10 2017Liv Strömquist: Der Ursprung der Welt
140 Seiten, 19,95 Euro,  avant, ISBN 978-3-945034-56-9
> Leseprobe

PS: Auch interessant: Ihr Album Der Ursprung der Liebe (20,- Euro). Das gibt es inzwischen auch mit Der Ursprung der Welt zusammen als Hardcover (40,- Euro). Absolut empfehlenswert. Informativ, unterhaltsam und wie immer höchst ironisch und bissig ist auch ihr Comic I´m every woman (20,- Euro), in dem sie die Rolle der Ehefrauen von John Lennon, Karl Marx, Elvis Presley und anderen Berühmtheiten unter die Lupe nimmt. Strömquists Blick auf die Geschlechterrollen eröffnet einfach in jedem ihrer Alben erfrischend neue Sichtweisen.

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