Primo Levi + Die Stärkeren

ranghiasci-primo-leviZwei neue Alben über die Hölle von Auschwitz bei bahoe-Books: Herbst 1986. Wenige Monate vor seinem Tod traf Primo Levi die Schüler der Volksschule Rignon in Turin. Es war die gleiche Schule, die er als Kind besuchte. So begann die lange Reise des Wissens, in dem der Schriftsteller die Kinder an der Hand nahm und sie ruhig in sein persönliches Drama begleitete und mit sanfter Festigkeit zu erklären versuchte, was der Holocaust war, und wie er es geschafft hat, die Hölle von Auschwitz zu überleben. Fragen über Fragen: Die Schüler öffneten ihre Augen und sahen die schwärzeste Seite der menschlichen Geschichte…

Soweit der Verlagstext. bahoe Books ist ein Verlag in Wien, der vor allem politische Bücher und Graphic Novels publiziert. Sie machen schöne Alben wie Verdad,  manchmal ist der Enthusiasmus über die Wichtigkeit des Themas aber auch größer als die Qualität des Produkts. So wichtig beispielsweise das Thema Faschismus und Auschwitz ist – allein dass es Thema einer Publikation ist, macht sie noch nicht gut. In Primo Levi sind die dünnen Zeichnungen ebenso gewöhnungsbedürftig wie die etwas unbeholfenen Dialoge zwischen den Schülern und dem Vortragendem. Davon abgesehen gibt das Album einen starken Einblick in die industrielle Struktur von Auschwitz und die barbarischen Methoden, mit der die deutschen Faschisten die Menschen behandelt haben. Auch für den Schulunterricht nicht uninteressant.

Alessandro Ranghiasci, Matteo Mastragostino: Primo Levi
128 SW-Seiten, gebunden, 15,- Euro, bahoe, ISBN 978-3-903022-60-7

fatzinek-die-staerkerenDer Wiener Hermann Langbein (1912–1995) kämpfte in den Internationalen Brigaden in Spanien gegen Francos Militärputsch. Nach der Niederlage der spanischen Republik wurde er in Frankreich interniert und 1941 nach Deutschland ausgeliefert. Im KZ Auschwitz gehörte er der Leitung des internationalen Widerstandes an. 1947 schrieb Hermann Langbein Die Stärkeren – Bericht aus Auschwitz und anderen Konzentrationslagern. Während der Lektüre von Die Stärkeren machte sich Thomas Fatzinek Notizen und Skizzen, die er dann als Linolschnitte umsetzte und zu einer graphischen Erzählung verdichtete. Soweit der Verlag.

Wer Linolschnitt-Technik mag, sollte einen Blick in dieses Album werfen. Thomas Fatzinek, in Linz geboren, machte nach einer Lehre als Lithograph seine Diplomprüfung an der Wiener Kunstschule und beteiligte sich seither an mehreren Ausstellungen in Österreich, Deutschland und China. Während Primo Levi eher leise und moralisierend daherkommt, transportiert dieses Album schon allein durch die Linolschnitt-Technik Power und Willen zum Widerstand – verlangt vom Leser aber durch eben diese, oft assoziative Technik auch mehr Bereitschaft zum Mitdenken. Klar wird durch beide Alben nicht nur, wie menschenverachtend Faschismus ist, sondern auch: Wer Vernichtung überleben will, muss sich solidarisch organisieren und bewusst und aktiv dagegen ankämpfen. Wer sich nur als unschuldiges Opfer begreift, geht hoffnungslos unter.

Thomas Fatzinek: Die Stärkeren – Ein Bericht von Hermann Langbein
40 SW-Seiten, gebunden, 10,- Euro, bahoe, ISBN 978-3-903022-49-2

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