Die schönen Momente

jim-die-schoenen-momenteJim ist ein starker Erzähler, aber von diesem Album hatte ich eigentlich nicht mehr viel erwartet. Seine letzten Comics drehten sich mehr oder weniger immer nur um die Frage, wo denn die schönen Tage geblieben sind, und ob man es mit der ein oder anderen Frau nicht nicht besser getroffen hätte, als mit der, für die man sich schließlich entschieden hat. Da kamen bei seinem neuen Band mit dem Titel Die schönen Momente keine großen Hoffnungen auf ein Themenwechsel mehr auf – vor allem, wenn der Inhalt auf der Coverrückseite auch noch mit dem Satz In dem Moment, in dem er uns durch die Finger rinnt, erkennen wir, dass es ein schöner war charakterisiert wird. Da schwingt schon wieder die Vergänglichkeit und die Wehmut mit, und das Gejammer über verpasste Gelegenheiten linst gleich um die Ecke.

Ein Irrtum – erfreulicherweise. Denn dieser Kurzgeschichtenband beschäftigt sich zwar mit Augenblicken, an die man manchmal auch etwas wehmütig zurückdenkt, aber hier geht es weniger um männliche Midlife-Crisis, sondern um ganz normale Augenblicke, schöne Erinnerungen – und um die Vergänglichkeit der Zeit. Ein Kindergeburtstag, den man zu einem tollen Erlebnis machen wollte, ohne an die Konsequenzen zu denken. Ein verrückter Freund, den man nur aus dem Internet kennt. Eine schräge Wette mit einem Vater. Die Liebeserklärung an die eigene Mutter, die zu großer Konfusion bei der Empfängerin führt (eine der witzigsten Geschichten in dem Band), und ja, auch die Erinnerung an eine Frau ist Thema, aber Jim nervt hier nicht mit der Frage, was gewesen wäre, wenn, und gejammert wird auch nicht.

Ein wirklich schönes Album, und, wie Jim im Anhang schreibt, ein bisschen bittersüß, denn das Schöne existiert erst im Rückblick, nicht in dem Moment selbst. Es ist also ein Buch über den Schweif des Kometen, nicht über den Kometen selbst. Auch die Zeichnungen sind diesmal von ihm selbst.

Jim: Die schönen Momente
136 Seiten, gebunden, 24,80 Euro, Splitter, ISBN 978-3-95839-319-6
> Leseprobe

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