Auf die Barrikaden!

jean-barrikaden1Elisabeth Dmitrieff (1850 – 1918) war die Tochter einer wohlhabenden adligen Familie in Russland und ein eigenwilliger Charakter. Mit 20 trennte sie sich von ihrem Elternhaus und schloss sich in der Schweiz der Genfer Internationale an. Die Gruppe bestand aus rebellischen Exilrussen, Anarchisten und Sozialisten. Nachdem sie sich inhaltlich zerstritten hatten, reiste Dmitrieff 1870 nach London, um Kontakt zu Karl Marx aufzunehmen. Aufgrund ihrer Ausbildung sprach sie neben russisch auch englisch, deutsch und französisch, was sie für Auslandskontakte prädestinierte.

Marx schickte sie 1871 nach Paris, wo der Aufstand der Pariser Kommune gerade in vollem Gange war. Dmitrieff trat dem dortigen Comité des Femmes bei, einem Verband von rund 150 Frauengruppen, der die Arbeit der einzelnen Mitglieder koordinierte. Doch Dmitrieff reichte das nicht – sie wollte mehr. Also gründete sie die Union des Femmes, mit der sie vehement für die Gleichberechtigung der Frauen eintrat. Viele ihrer Forderungen, dass z.B. auch Frauen auf den Barrikaden bewaffnet kämpfen dürfen, kamen bei den Kommunarden nicht gut an.

Wilfrid Lupano (Ein Ozean der Liebe, Azimut) hat sich vorgenommen, in drei Bänden einzelne Schicksale aus der Zeit der Pariser Kommune zu beschreiben. Den Anfang macht Elisabeth Dmitrieff. Die historischen Hintergründe werden hier allerdings nur angerissen. Aufgrund der Kompliziertheit der damaligen Vorgänge ist das auf 56 Seiten auch nicht anders möglich. Zeichner Anthony Jean wiederum hat sämtliche Bürgersteige von Paris sauber gekehrt, bevor er sie auf Papier verewigte. Das macht die Bilder hübsch (vor allem die Kolorierung ist klasse), aber wenig realistisch. Wer also eine historisch exakte Abhandlung erwartet, sollte woanders nachsehen. Wer eine flott erzählte Abenteuer-Story vor realem Hintergrund lesen will, wird gut bedient.

Anthony Jean, Wilfrid Lupano: Auf die Barrikaden!: Der Aufstand der Frauen
56 Seiten, gebunden, 14,80 Euro, Splitter, ISBN 978-3-95839-278-6
> Leseprobe

Update 24.7.16: In Band 2 (Die roten Elefanten) heckt Victorine, eine junge Göre von gerade mal elf Jahren, einen Plan aus, und mit Hilfe der beiden Elefanten, die sie im Jardin des Plantes pflegt, die Belagerung von Paris durchbrechen zu können. Eine spritzige Geschichte, die von Lucy Mazel kongenial bebildert wurde.

Update 27.1.17: Mit Band 3 (Wir werden nichts über ihre Weiber sagen) ist die Trilogie abgeschlossen. Eine eher düstere Geschichte über eine Kommunardin, die ihr Leben nicht länger als Dienstmädchen und Tagelöhnerin fristen möchte. Die im Gegensatz zur Story überaus lebensfrohen Bilder stammen diesmal von Xavier Fourquemin. Da die drei Alben inhaltlich nicht zusammenhängen, kann man auch jedes nur für sich lesen.

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