Supercrash

cunningham-supercrashAus dem Verlagstext: Kapitalismuskritik als Graphic Novel: Endlich kann jeder verstehen, wie es zum Crash hat kommen können und warum uns der nächste bevorsteht. Börsencrash, Finanzkrise und Bad Banks. Als Antwort darauf greift der britische Cartoonzeichner Darryl Cunningham zum Stift und erzählt die Geschehnisse seit dem Platzen der amerikanischen Immobilienblase in seiner Graphic Novel so rasant, bunt und pointiert, dass man die Absurditäten des globalen Kapitalismus wirklich versteht. Dabei dringt er zum Kern neoliberaler Politik vor: der Selbstsucht und Gier. In dramatischen Szenen lässt Cunningham Alan Greenspan, Rick Rubin und andere Anhänger des Finanzkapitalismus die globale Ökonomie noch einmal an den Rand des Abgrunds führen und zeigt, wie die Jünger des Neoliberalismus die Finanzpolitik noch heute bestimmen. Es ist höchste Zeit zu handeln! Das klingt spannend und macht neugierig. Echte Lesefreude will sich aber leider nur begrenzt einstellen.

Fangen wir bei den Zeichnungen an: Was genau eine Graphic Novel sein soll, darüber kann man streiten. Ein bisschen mehr als Standbilder, die darüber stehenden Text illustrieren, sollte es aber sein. Leider beschränkt sich dieses Buch genau darauf. Es gibt in den Bildern so gut wie keine Interaktion. Cunningham ist Cartoonist, und das sieht man dem Buch an. Seine Zeichnungen sind nicht schlecht, wenn auch selten originell – aber muss man heutzutage jede illustrierte Abhandlung gleich zur Graphic Novel aufblasen? Noch dazu ist das Lettering ziemlich hingeschlampt. Oft fehlen Leerräume zwischen den Worten einer Zeile, was das Lesen anstrengend macht.

Und der Inhalt? Cunningham schildert die Entwicklung der Immobilienblase bis zum Bankencrash. Er sieht das Problem nicht in einem Wirtschaftssystem, für das Profit und Konkurrenz aufgrund seiner kapitalistischen Struktur lebensnotwendig sind, sondern in der Geldgier einiger Superreichen und Spekulanten, die den Hals nicht voll kriegen können. Solche Arschlöcher gibt es reichlich, da hat er völlig recht. Aber auch, wenn es sie nicht mehr gäbe, würde sich an der ökonomischen Struktur unserer Gesellschaft von alleine nichts ändern. Cunningham leitet den Egoismus der Wirtschaftselite aus der Philosophie von Ayn Rand ab, die Mitte des vorigen Jahrhunderts entsprechende Bücher geschrieben hat. Zu ihren Bewunderern zählte auch Alan Greenspan, der fast 20 Jahre Vorsitzender der US-Notenbank war.

Die Entstehung der Immobilienblase hat Cunningham exakt recherchiert. Wer sich dafür interessiert, wird vieles erfahren, was er bisher nicht wusste. Im Grunde kann man die Entwicklung in dem Satz zusammenfassen: Es funktionierte nach dem Kettenbrief-System – und der letzte zog die Arschkarte. Wobei durch die Verfilzung von Wirtschaft und Politik dafür gesorgt wurde, dass erstens die Defizite sozialisiert (also von Steuergeldern getragen) wurden, zweitens kein Banker jemals juristisch zur Verantwortung gezogen wurde, und drittens bis heute nichts an den Strukturen geändert wurde, die diese kriminellen Machenschaften ermöglicht haben. Alles richtig – aber wirklich neu ist das nicht. Interessanter fand ich Cunninghams Infos über die Auswirkungen der Krise auf die Sozialpolitik Großbritanniens. Von diesen Schweinereien können selbst deutsche Politiker noch was lernen.

Im Grunde ist Supercrash keine Graphic Novel, sondern eine bebilderte sozio-ökonomische Abhandlung, die als reines Buch wohl kaum jemand gelesen hätte, weil sie streckenweise trotz – oder gerade wegen – der vielen Details eher trocken daherkommt. In der Graphic Novel-Verpackung erntete sie dagegen Lob vom Oberserver über den Independent bis zur New York Times, wo sie 2015 auf der Bestsellerliste stand.

Darryl Cunningham: Supercrash – Das Zeitalter der Selbstsucht
248 Seiten, 19,90 Euro, Hanser, ISBN 978-3-446-44698-4
> Leseprobe

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2 Gedanken zu “Supercrash

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