Ein Mann namens Cervantes

lax-cervantesCervantes? Genau: Miguel de Cervantes, 1547 – 1616, ist der Autor von Don Quijote. Dieses Album ist aber weder eine Adaption des literarischen Klassikers (den hat Rob Davis bereits wunderbar bebildert), noch eine Biografie des spanischen Schriftstellers. Christian Lax erzählt vielmehr die Geschichte eines Mannes, der sich die Romanfigur zum Vorbild nimmt und wie sie gegen den Irrsinn, die Ungerechtigkeit und die Absurdität des Lebens in den Kampf zieht – und sich dabei wenig schlauer anstellt als sein literarischer Namensgeber.

Mike Cervantes, wie Lax seine Hauptfigur nennt, lebt in den USA, wo er sich in eine abgelegene Blockhütte im staubigen Hinterland von Arizona zurückgezogen hat, um sich nach seinem – mehr oder weniger unfreiwilligen – Einsatz in Afghanistan neu sortieren zu können. Seine Rosinante hat keine vier Beine, sondern vier Räder, und wenn er wieder einmal voller Wut und ungebremst gegen den Irrsinn der Welt anrennt, der ihm in Form von Banken, Bürokraten und Polizisten begegnet, ist er schwer zu bändigen.

Weil er dabei viel unterwegs – besser gesagt: auf der Flucht – ist, entsteht eine Art Roadmovie, das Lax mit starken Landschaftsbildern anreichert. Wer seinen Zeichenstil kennt, weiß, dass er seinen Figuren Raum lässt, die Panels nicht überfrachtet und viel Ruhe in die Bilder bringt. Ein schönes, locker erzähltes Album über Menschen, die auch dann kämpfen, wenn die Chance auf einen Sieg gering ist – ohne dabei in irgend eine Form von Heldenkitsch zu verfallen. Don Quijote im 21. Jahrhundert – eine originelle Idee, grafisch beeindruckend umgesetzt.

Top 10 2016Christian Lax: Ein Mann namens Cervantes
208 Seiten, gebunden, 29,80 Euro, Splitter, ISBN 978-3-95839-230-4
> Leseprobe

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4 Gedanken zu “Ein Mann namens Cervantes

  1. Sieht interessant aus – auch, wenn der Stil nicht gerade der meine ist. Aber in seiner Trostlosigkeit passt er sicher hervorragend zur Materie… 🙂

    • Ich weiß nicht, wie du auf trostlos kommst…? Das ist das Album ganz und gar nicht.

    • Hm … vielleicht hat mich ja auch der Eindruck nach der Leseprobe getäuscht. Vermutlich kam es mir so vor, weil die Kolorierung so extrem graulastig ist. Aber was weiß man schon nach ein paar Seiten. 😀

    • Ja, die Afghanistan-Seiten sind ihm ein bisschen sehr dunkel geraten. Das gefällt mir auch nicht. Ansonsten ist es ein grafisch exzellentes Album geworden.

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