Shame

bolton-shameWillkommen im Reich der Magie. Hier gibt es Hexen (gute und böse), Zaubergärten (verwunschene), Dämonen (ziemlich finstere), Schattengestalten (düstere), Helden (unbedarfte) und allerlei andere Wesen, die sich im Kampf des Bösen gegen das Gute ein Stelldichein geben.

Das Gute, das ist die alte Mutter Tugend. Sie hilft Kranken und Gebrechlichen, indem sie sie mit ihren Kräften heilt. Sie ist allseits beliebt und hat nur einen Wunsch: eine Tochter. Ohne Mann ist das allerdings schwierig – vor allem in ihrem Alter. Doch ihr Wunsch öffnet eine Pforte der Finsternis, und die nutzt der Dämon Spott, um Tugend mit dem Samen des Bösen zu schwängern, auf dass sie die Tochter Shame gebäre, die Spott helfen soll, die Weltherrschaft zu erringen.

Die Story ist tatsächlich so schablonenhaft, wie hier beschrieben, und sie wird im Laufe der Geschichte nicht besser. Auch die Dialoge sind teilweise hölzern bis zur Peinlichkeit. Schade, dass Fantasycomis – im Gegensatz zur Genre-Bezeichnung – inhaltlich oft so fantasielos und stereotyp daher kommen.

Aber die Zeichnungen! Der Splitter-Verlag beschreibt sie so: John Bolton, mehrfach nominierter Preisträger des Eisner-Awards, ist bereits zu Lebzeiten eine Legende, eine Ikone der Phantastik. Sein unverwechselbarer und zugleich ungemein variabler Stil deckt vom Fotorealismus bis zum abstrakten Schwarzweiß-Spiel die gesamte Palette des Comics ab. Dem kann man nur zustimmen.

Was Bolton hier an seltsamen Kreaturen, spindeldürren Monstern, sinnlichen Heldinnen und morbiden Gestalten über die Seiten springen lässt, ist einzigartig. Oft wirken seine Motive wie Standbilder, die seltsam teilnahmslos vor gemalten Hintergründen posieren, ohne wirklich mit ihnen zu interagieren – mehr Collage als Zeichnung. Ein Layout, in dem einiges an Ideen und Kreativität zusammenkommt.

Im Grunde ist Shame auch mehr Märchen, als Fantasy. Sicher kein Album für Leser geistreicher Unterhaltung. Aber für Freunde von eigenwilligem Artwork gibt es hier einiges zu sehen. Echt abgefahren.

John Bolton, Lovern Kindzierski: Shame – Tochter des Bösen
184 Seiten, gebunden, 29,80 Euro, Splitter, ISBN 978-3-95839-217-5
> Leseprobe

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