Kinder der Hoffnung

grand-kinder-der-hoffnungDer Franzose Marc Levy hat sich als Autor eher seichter Literatur einen Namen gemacht. Dass er auch anders kann, hat er mit seinem Roman Kinder der Hoffnung (Les enfants de la liberté – der französische Titel ist treffender) gezeigt. Darin erzählt er die Geschichte seines Vaters und seines Onkels, beides Juden, die sich während des Zweiten Weltkriegs im von Deutschen besetzten Frankreich der Résistance, dem Widerstand gegen die Besatzer, angeschlossen hatten. Alain Grand hat die Geschichte als Comic adaptiert.

Marcs Vater Raymond und dessen Bruder Claude leben in Toulouse in den 1940er Jahren. Sie sind noch jung, irgendwas zwischen 17 und 20 Jahren, und entschlossen, sich gegen den deutschen Terror zur Wehr zu setzen. Viel anderes bleibt ihnen auch nicht übrig, denn als Juden sind sie völlig rechtlose Wesen. Raymond möchte bewaffnet kämpfen, aber sein Kontaktmann muss ihn enttäuschen: Im Widerstand kämpft man nicht, wird Raymond belehrt. Im besten Fall holt man Pakete ab und überbringt Nachrichten.

Nun – dabei bleibt es nicht. Im Laufe der Zeit werden Sabotageaktionen auf Bahnhöfe und Verteilerstationen geplant. Als einer aus der Gruppe verhaftet und zum Tode verurteilt wird, beschließt die Gruppe, den dafür zuständigen Staatsanwalt zu exekutieren – damit klar wird, dass man verhaftete Résistance-Kämpfer nicht konsequenzlos zum Tode verurteilen kann. Ein Album, das einen authentischen Einblick in die Arbeit von Widerstandsgruppen während des Zweiten Weltkriegs gibt und wieder einmal zeigt, dass das Leben immer noch die spannendsten und interessantesten Geschichten schreibt.

Alain Grand, Marc Levy: Kinder der Hoffnung
180 Seiten, gebunden, 19,99 Euro, Panini, ISBN 9783957983022
> Leseprobe.

puchol-ein-leben-im-todeEin Album über eine ähnliche Thematik. Panini schreibt: „Ein Leben im Tode“ erzählt die wahre Geschichte von Marcel Rayman, einem polnischen Juden und Freiheitskämpfer. Während des Zweiten Weltkrieges schloss er sich der FTP-MOI (francs-tireurs et partisans – main-d’œuvre imigrée) an, einer Widerstandsgruppe ausländischer Kommunisten. Unter der Führung von Missak Manouchian wird der sanftmütige junge Mann zu einem hartgesottenen Kämpfer. Zwei Jahre lebt er im Untergrund und muss mit ansehen, wie seine Familie deportiert wird.

Laurent Galandon erzählt gemeinsam mit der Zeichnerin Jeanne Puchol die Geschichte der Manouchian-Gruppe, die zwischen Juni 1942 und November 1943 in Paris gegen die Nazibesatzer kämpfen. Nach der Festnahme und Exekution der 23 Widerstandskämpfer der Gruppe wurde von den Nazis in einer groß angelegten Propagandakampagne ein rotes Plakat in ganz Frankreich verbreitet, das die Handlungen der Résistance-Kämpfer diskreditieren sollte, jedoch einen gegenteiligen Effekt erzielte und kurz darauf als berüchtigtes Affiche rouge zu einem Symbol für den Widerstand wurde.

Weniger spannend als Kinder der Hoffnung, und auch zeichnerisch Durchschnitt, aber ebenfalls ein authentisches Stück Widerstands-Geschichte.

Jeanne Puchol, Laurent Galandon: Ein Leben im Tode: Rayman
100 Seiten, gebunden, 19,99 Euro, Panini, ISBN: 9783957 985576
> Leseprobe

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