Borgia

manara-borgiaMilo Manara gehört sicherlich zu den bedeutendsten Comiczeichnern Europas. Außerdem gilt er als der Zeichner, der die schönsten Frauen der Comicwelt zu Papier bringt. Ob es die schönsten sind, sei dahingestellt – erotische Ausstrahlung haben sie allemal. Das ist aber noch keine Garantie für inhaltliche Qualität. Neben spannenden und informativen Alben wie beispielsweise Kolumbus, das er nach einem Szenario von Enzo Biagi mit Giacinto Gaudenzi zusammen gezeichnet hat, hat Manara auch jede Menge geistlose Pornos (Außer Kontrolle + Co) abgeliefert.

Bei dem Album Borgia stand ihm Alejandro Jodorowsky als Szenarist zur Seite. Der mixt seine verqueren esoterischen Fantasien gerne mit einer gehörigen Portion Gewalt und findet in Vor- und Nachworten eloquente Sätze, um das Ergebnis in hohe Kultur umzudeuten. So kann aus einer Kombination von Manara und Jodorowsky eigentlich nur eins entstehen: Sex & Crime. Genau das ist Borgia auch geworden.

Erzählt wird die Geschichte von Papst Alexander VI. (1431 – 1503), der mit bürgerlichem Namen Rodrigo Borgia hieß. Borgia war Spanier und hatte wegen seiner Staatsangehörigkeit Feinde in Rom. Als die entscheidende Papstwahl anstand, konnte er sich das Pontifikat nur durch Bestechung und Mord sichern. Auch nach der Wahl war er sehr damit beschäftigt, sich seine Widersacher vom Hals zu halten.

Für Manara war die Dekadenz der damaligen Zeit und die verlogene Moral der Kirche eine Steilvorlage, um alle paar Seiten lang hohe Würdenträger mit Konkubinen, Brüder mit Schwestern, Eroberer mit Beutefrauen oder auch mal den Papst mit seiner Tochter kopulieren zu lassen. Für Jodorowsky wiederum bot die skrupellose Machtpolitik der Kirche Gelegenheit, alle paar Seiten Hände, Köpfe, Penisse, Zungen oder sonstige Körperteile abschlagen oder -schneiden zu lassen. Das alles vor dem Hintergrund historischer Architekturen, historischer Gewänder und historischer Landschaften, die Manara gewohnt opulent und farbenfroh in Szene setzt.

Natürlich hat sich Alexander VI. auch noch mit anderen Dingen als mit sexuellen Ausschweifungen und Intrigen beschäftigt. Die kommen in diesem Album aber nicht vor. Eine exakte historische Abhandlung oder größeren Tiefgang darf man nicht erwarten. Wer aber eine farbenprächtige Sex & Crime-Story in typischem Manara-Gewand lesen möchte, wird gut bedient. Ursprünglich in vier Bänden bei Kult Editionen erschienen, hat Panini sie jetzt als Gesamtausgabe im Rahmen ihrer Manara-Werkausgabe als Band 15 neu aufgelegt.

Milo Manara, Alejandro Jodorowsky: Borgia
220 Seiten, gebunden, 39,99 Euro, Panini, ISBN: 9783957983060

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