Jerusalem + Die Stern-Bande

bertozzi-jerusalemDiese in beeindruckenden Schwarz-Weiß-Tönen gehaltene Graphic Novel nimmt uns mit auf eine Reise ins Jerusalem der Jahre 1945 bis 1948 und erzählt die bewegte Familiengeschichte der Brüder Izak und Yakov Halaby. Das auf den Erzählungen des Vaters von Autor und Filmemacher Boaz Yakin basierende Familien-Epos stellt sich der großen Herausforderung, grundlegende Etappen dieser ereignisreichen und leidvollen Jahre nachzuzeichnen, wie etwa die Belagerung von Jerusalem, das Massaker von Deir Yassin, die Schlachten von Latrun und die UN-Resolution von 1947, die zur Grundlage für die Ausrufung des Staates Israel wurde, schreibt der Verlag.

Ein bisschen übertrieben ist das schon – vor allem, was die am Ende erwähnten historischen Ereignisse betrifft. Die kommen zwar in dem Album vor, aber – und damit sind wir schon beim Problem dieses Comics – sie hängen ziemlich in der Luft und sind von Lesern, die wenig über die palästinensische Geschichte wissen, so schwer einzuordnen wie vieles andere in diesem Album auch.

Zunächst geht es um den Streit innerhalb einer jüdischen Familie. Die ist in zwei Teile zerbrochen. Die einen haben Geld, die anderen müssen sich mit dem Gerichtsvollzieher herumschlagen, weil der reiche Teil der Familie bei ihnen auf diese Art die Schulden eintreibt. Man kann sich seine Verwandtschaft eben nicht aussuchen. Im ärmeren Zweig betätigt sich der Nachwuchs in unterschiedlichen politischen Organisationen. Sie kämpfen gegen die britische Besatzung, und sie kämpfen gegen die Araber. Anfangs noch friedlich, aber als sich die Lage zuspitzt, auch gewaltsam.

Das alles wird spannend erzählt und ist durchaus nicht uninteressant, aber mehr Infos zu Hintergründen und Motiven wären für das Verständnis wie für den Tiefgang der Story hilfreich gewesen. Die Zeichnungen sind klar und prägnant. Bertozzi punktet vor allem mit der ausdrucksstarken Mimik seiner Protagonisten.

Nick Bertozzi, Boaz Yakin: Jerusalem
386 SW-Seiten, gebunden, 29,99 Euro, Panini, ISBN: 9783957983282

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stassi-stern-bandeBereits im vorigen Jahr hat Panini ein Album über die Stern-Bande publiziert. Es spielt zur gleichen Zeit wie Jerusalem, denn damals war, wie Panini zu diesem Album schreibt, nicht in erster Linie das palästinensische Volk der Feind des Zionismus, sondern das britische Königreich, das nach dem Ersten Weltkrieg die Besiedelung der Region verwaltete. Vor diesem Hintergrund steht die Geburtsstunde von Lechi, einer terroristischen Untergrundorganisation, die auch unter dem Namen Stern Gang bekannt wurde.

Das Problem bestand damals darin, dass die Zuwanderung von Juden nach Palästina von den Briten beschränkt wurde. Es durfte nur eine bestimmte Zahl von ihnen einreisen. Die Gruppe um Avraham Stern wehrte sich dagegen mit ziemlich brutalen und grausamen Aktionen. In diesem Album wird ihre Geschichte beschrieben. Als Ergänzung zu Jerusalem nicht schlecht.

Das Problem mit beiden Alben ist das Grundproblem dieses kleinen Fleckchens Erde, das sich Palästina, bzw. Israel nennt: Da ist in den letzten 60 Jahren mehr passiert, als in manch anderer Gegend in 600 Jahren. So kann jedes Buch darüber nicht mehr sein als ein Fragment, ein Ausriss, ein aus komplexen Zusammenhängen herausgerissener Fetzen Zeit, der nur mit vielen anderen gemeinsam einen Sinn ergibt (soweit da unten überhaupt noch irgend etwas einen Sinn ergibt).

Claudio Stassi, Luca Enoch: Die Stern-Bande
124 SW-Seiten, gebunden, 19,99 Euro, Panini, ISBN: 9783862019533
> Leseprobe

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