Humboldts letzte Reise

froissard-humboldts-letzte-reiseJa, in diesem Album dreht sich alles um den Entdecker und Naturforscher Alexander von Humboldt. Nein, der Titel lässt zwar darauf schließen, aber eine Biografie ist es nicht. Und ja, das Cover des Albums lässt interessante Grafik im Innenteil vermuten. Aber nein – das symmetrisch ausgearbeitete Motiv gibt nicht mal eine Ahnung von der Vielfalt der Zeichnungen, die den Leser erwarten. Geometrische Ornamente kommen auch vor. Vorherrschend sind aber hinter Schleiern verborgene Landschaften, verwunschen wirkende Orte über und unter Wasser, durch die, oft nur in dunklen Schraffuren angedeutete Menschen und andere Lebewesen zu Hoffnungen unterwegs sind, die sich nicht immer erfüllen.

Das klingt sehr mystisch, und mystisch ist diese Geschichte auch. Dabei fängt alles logisch an. Humboldt hört 1847 von einem Freund, der mitten im Dschungel eine geniale Entdeckung gemacht haben soll. Das zumindest vermittelt ihm die Tochter des Freundes, die ihm das Tagebuch ihres Vaters überbringt. Humboldt überlegt nicht lange und macht sich auf den Weg in den Dschungel Amazoniens. Das erfährt ein gewisser Carl Ritter, der Humboldt den wissenschaftlichen Ruhm neidet. Also segelt Ritter in der Absicht hinterher, Humboldt die Entdeckung abspenstig zu machen. Doch was sie schließlich finden, sind sehr absonderliche Welten.

Die Story ist nicht immer logisch, und normalerweise stört mich das. In diesem Fall allerdings weniger, denn die Bilder faszinieren von Seite zu Seite mehr und lassen einen nicht mehr los. Abwechslungsreiche Seiten-Layouts und gefühlvolle Ton-in-Ton-Kolorierungen lassen die fehlende Logik vergessen, weil man wieder und wieder in ein Panel, eine Figur oder eine Landschaft versinkt. Und dadurch, dass sich die Charaktere im Laufe der Geschichte ändern, kommt viel neuer Schwung auf die Seiten. Manchmal fühlt man sich an Episoden oder Figuren aus Little Nemo oder Alice in Wonderland erinnert, aber dieses Album ist mehr: Eine nicht nur rundum fantasievolle, sondern oft auch ziemlich schräge Geschichte in traumhaft schönen Bildern.

Top 10 2015Vincent Friossard, Étienne Le Roux: Humboldts letzte Reise
160 Seiten, gebunden, 24,95 Euro, Knesebeck, ISBN 978-3-86873-826-1
> Leseprobe

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2 Gedanken zu “Humboldts letzte Reise

  1. Falls das eine ernsthafte Frage ist: In jedem Buchladen, oder direkt beim Verlag (Leseprobe anklicken).

    Comickunst ist lediglich ein Rezensions-Blog, kein Verkaufsportal. 😉

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