Don Quixote

davis-don-quixoteGenau 400 Jahre ist Cervantes Don Quixote inzwischen alt, und er wird immer noch gelesen – den Ritter von der traurigen Gestalt kennt jeder. 2002 wurde der Roman in einer vom Osloer Nobelinstitut organisierten Abstimmung von 100 Schriftstellern zum besten Buch aller Zeiten gewählt – mit 50 Prozent mehr Stimmen als die Nummer zwei, Floberts Madame Bovary. Aus Deutschland waren an der Abstimmung Siegfried Lenz, Hans Magnus Enzensberger, Christoph Hein, Herta Müller und Christa Wolf beteiligt – was man, wenn man gehässig ist, mit dem Satz kommentieren könnte, dass auch berühmte Schriftsteller einen schlechten Geschmack haben können, denn: Sooo doll ist die Geschichte um den Mann, der sich für einen Ritter und Windmühlen für Riesen hält, die er bekämpfen muss, nun auch nicht. Vor allem, weil der zweite Teil, den Cervantes aufgrund des großen kommerziellen Erfolges des ersten Bandes rund zehn Jahre später geschrieben hat, deutlich schwächer ist, als sein Vorgänger.

Absolut klasse dagegen ist die grafische Umsetzung der Geschichte von Rob Davis. Der Illustrator und Cartoonist, der seit einigen Jahren auch Comics zeichnet, bringt den Charakter seiner Protagonisten mit wenigen Strichen auf den Punkt. Man sieht den Figuren seine langjährige Erfahrung als Cartoonist deutlich an. Der lange, schmale Don Quixote de la Mancha und sein kleiner, dicker Knappe Sancho Panza – eine im Prinzip 400 Jahre alte Vorlage für Dick und Doof – kommen prima rüber, und auch die anderen Gestalten der Geschichte werden pointiert auf die Seiten gebracht. Hier sind die Bilder für meinen Geschmack deutlich frischer als die doch inzwischen etwas abgelutschte Geschichte. Wer also sagt Die olle Geschichte interessiert mich nicht mehr sollte sich auf jeden Fall erst noch die Zeichnungen anschauen, bevor er sich gegen diesen Band entscheidet.

Rob Davis, Miguel de Cervantes: Don Quixote
296 Seiten, gebunden, 24,99 Euro, Egmont Graphic Novel,
ISBN 978-3-7704-5518-8
> Leseprobe

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Ein Gedanke zu “Don Quixote

  1. Dem Rezensenten mangelt es nicht an Selbstbewusstsein! Das empfinde ich eigentlich als sehr erfrischend. Allerdings würde ich es genau umgekehrt sehen: Don Quixote ist tatsächlich ein zeitenübergreifendes Meisterwerk, die genannten Juroren werden viel, viel früher vergessen sein. Das ändert natürlich nichts daran, dass man Don Quixote heute nicht so einfach lesen kann wie zeitgenössische Comics. Insofern erreicht die Rezension bei den meisten Lesern hier das, was sie soll.

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