Weiße Wölfe

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David Schraven hat schon die Szenarien für Kriegszeiten und Die wahre Geschichte vom Untergang der Alexander Kielland geschrieben. Jetzt hat der CORREKT!V-Büroleiter auch eine Recherche über Dortmunder Neonazis als Comic publiziert. Das Fundament des Rechtsextremismus sieht er in den „Turner-Tagebüchern“. So ziemlich alle Neonazis in Europa beziehen sich auf Turners Vorstellung der Bildung kleiner gewaltbereiter Gruppen, die netzwerkartig einen Rassenkrieg gegen Ausländer führen.

Neonazis agieren nicht vereinzelt, sondern koordinieren sich auch europaweit. Ihren Rassenhass bringen sie mit Rockmusik unters Volk – damit lassen sich vor allem Jugendliche gut ansprechen. Schraven zeigt das anhand der Biografie eines Nazischlägers. Die allerdings kommt in Episoden daher, die mehr aneinander gehangen wirken, als dass eine sich aus der anderen entwickelt. Eine wirklich stringent erzählte Geschichte ergibt das nicht, und die schlagschattenartigen Schwarzweiß-Zeichnungen von Feindt geben der Geschichte zwar exakt den Hauch von Konspirativität, der zu der halblegalen Faschoszene passt, bieten aber wenig Abwechslung und ermüden auf Dauer. Überhaupt bewegen sich Aufmachung und Design des Buches mit seinem durchgehend schmuddeligen Grau am Rande von Klischee und Kitsch. Wenn es so etwas wie overstyled gibt, dann ist es dieser Comic.

Was dadurch andererseits gut rüberkommt, ist die Brutalität, mit der die rechten Schläger vorgehen. Die Hemmungslosigkeit, mit der sie alles platt machen, was ihre rasierten Schädel nicht begreifen. Sie sind gefährlich und aktiv, das wird in diesem Album deutlich. Dass sie u.a. von den Verfassungsschutz-Behörden gedeckt werden, ebenfalls. Kein schlechtes Album also, um Jugendliche über Rechtsextremismus zu informieren.

Inhaltlich hätte man allerdings mehr daraus machen können. Für informierte Leser bietet es wenig Neues. Außerdem fehlt eine Art Rahmen, in den man die Geschichte einbetten kann. Irgend eine Art Überblick – so fragmentarisch der möglicherweise auch sein mag – über die Neonaziszene in Deutschland. So hängt alles ein bisschen in der Luft, und vieles wird nur angedeutet. Vielleicht wäre es besser gewesen, das Ergebnis der Reportage nicht in Comicform, sondern als Sachbuch zu veröffentlichen.

Positiv: Man kann es nicht nur für 15,- Euro im Laden kaufen, sondern auch von vorne bis hinten kostenlos lesen. Die Autoren habe das komplette Album online gestellt. So kann sich jeder selber ein Bild davon machen.

Jan Feindt, David Schraven: Weiße Wölfe
225 SW-Seiten, gebunden, 15,- Euro, CORRECT!V, ISBN 9783981691702
> Online lesen

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