Der König des Mars

horrocks-der-koenig-des-marsIn Träumen beginnt die Verantwortung – mit diesem Zitat von Yeats beginnt das Album, ergänzt von Nina Hartleys Verlangen kennt keine Moral. Und damit ist der Inhalt dieser Geschichte eigentlich schon treffend zusammengefasst.

Es geht um den jungen Comiczeichner Sam Zabel, der seit Wochen und Monaten zuhause rumhängt und einfach keine Idee mehr hat. Für sein eigenes Heft Pickle hat er seit Ewigkeiten nichts geschrieben. Immerhin gibt es einen Vertrag mit einem Verlag, für den er die Serie Lady Night zeichnet. Aber auch da ist der Abgabetermin überschritten.

Durch Zufall bekommt er ein altes Comicheft mit dem Titel Der König des Mars in die Hand, und bevor er versteht, was mit ihm passiert, findet er sich plötzlich anstelle des Helden leibhaftig auf dem Mars wieder, wo die Bewohner ihn als ihren lange erwarteten König begrüßen. Sam ist verwirrt, und als die Frauen des königlichen Harems ihn freudig zu Bett begleiten, um ihn zu bespielen, bekommt er Gewissensbisse. Auf der Erde hat er eine feste Beziehung. Kann man es als Fremdgehen bezeichnen, wenn er jetzt mit Marsianerinnen schläft?

Eigentlich nicht, denn er befindet sich ja in einem Szenario, das von jemand anderem geschrieben wurde. Also kann er auch nicht dafür verantwortlich sein, was er tut. Aber wer dann – der Autor der Geschichte? Beeinflussen Comics unsere Phantasien? Oder reflektieren sie sie? Oder bedingt sich das gegenseitig?

Der Neuseeländer Dylan Horrocks, Autor von Hicksville, sinniert hier über die Verantwortung des Geschichtenerzählers für sein Szenario, und macht das sehr unterhaltsam. Die Zeichnungen erinnern an US-amerikanischen Stil, kommen sehr eingängig daher und treiben die Story geradlinig voran. Durch den Einbau von Abenteuerelementen und allerlei überraschenden Wendungen ist für Kurzweil gesorgt. Eine interessante Idee in origineller Verpackung.

Dylan Horrocks: Sam Tabel in „Der König des Mars“
224 Seiten, 19,99 Euro, Egmont Graphic Novel, ISBN 978-3-7704-5513-3
> Leseprobe

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Ein Gedanke zu “Der König des Mars

  1. Dito 🙂 Mir haben vor allem auch die postmodernen/intermedialen Einschübe gefallen, z.B. wenn die Pulp-Vorlage oder Genres wie Hentai eingebaut werden. Comicsprachlich sehr reizvoll und innovativ!

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