Die Haie von Lagos

schultheiss-haie-von-lagodDer Splitter-Verlag schriebt: „Die Haie von Lagos“ ist DAS Meisterwerk, das in den 80er Jahren Schultheiss‘ internationalen Ruf als wichtigster Comiczeichner Deutschlands nachhaltig festigte. Die ursprünglich 1986 veröffentlichte Trilogie erzählt eine moderne Piratengeschichte vor dem Hintergrund eines von Korruption, Machtgier und ökonomischem Raubbau zersetzten Landes. In dieser Sphäre allgegenwärtiger Gewalt setzt Patrick Lambert alles daran, die alleinige Herrschaft über das Piratensyndikat von Lagos zu erlangen – mit äußerst blutigen Folgen!

Kann man so sagen. In den 1980er Jahren war die Serie ein Knaller – Vergleichbares gab es kaum. Schultheiss ist tatsächlich einer der besten Zeichner – nicht nur Deutschlands. Leider sind seine Fähigkeiten als Zeichner um Längen besser als seine erzählerischen Möglichkeiten. Dass ich die Brutalität, die seine Arbeiten durchzieht, hirnlos finde, darauf habe ich schon bei der Rezension seines Album Die Reise mit Bill hingewiesen. Und wenn man es genau nimmt, sind Die Haie von Lagos nicht nur sinnlos brutal, sondern auch rassistisch. Beispiel: Als Lambert von einer schwarzen Prostituierten gebeten wird, ein Krabbeltier von ihrem Bein zu entfernen, drückt er eine Zigarette auf dem Tier – und damit auf ihrem Bein – aus. Oder: Lambert schießt auf einen Schwarzen und fordert ihn auf: Und jetzt krieche, Nigger! Er ist der weiße Held, der eine Meute schwarzer Piraten anführt – oft in den Tod, denn der Held fühlt sich leer, und ihm ist alles egal. Nur nicht die zwar ebenfalls schwarze, aber europäische Frau, der er hinterherkriecht, auf dass sie seine Leere fülle. Kitsch, der sich hinter vorgeschobener Coolheit versteckt.

Das ist wirklich jammerschade, denn Schultheiss´Zeichnungen sind schlicht genial. Wie er die Farben Afrikas einfängt, die Schwarzen in ihrer typischen Geschmeidigkeit durch die Szenen gleiten lässt, die flirrende Hitze und die staubigen Straßen ins Bild bringt, das ist einfach klasse. Splitter hat den ersten Zyklus der Haie von Lagos (Band 1 – 3) als Gesamtausgabe in 1000er Auflage mit Kunstdruck (Cover von Band 1) publiziert. Gleichzeitig wird die Reihe mit Band 4 fortgesetzt. Der dümpelt aber im Gegensatz zu den ersten Bänden eher langweilig vor sich hin.

Matthias Schultheiss: Die Haie von Lagos (1 – 3)
144 Seiten, gebunden, 39,80 Euro, Splitter, ISBN 978-3-86869-741-4
> Leseprobe

Matthias Schultheiss: Die Haie von Lagos 4
48 Seiten, gebunden, 13,80 Euro, Splitter, ISBN 978-3-86869-742-1
> Leseprobe

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3 Gedanken zu “Die Haie von Lagos

  1. Vielen Dank für die – wenn auch recht kurze – Rezension. Da ich die Originalausgabe nie gelesen habe (erschien mir damals „zu erwachsen“), war ich auf der Suche nach Meinungen.

    Der Rassismus-Vorwurf kommt mir ein bisschen zu kurz bzw. trennt (in der gegebenen Kürze) nicht zwischen innen (der Charakter ist rassistisch) und außen (der Comicautor verwendet rassistische Stereotypen). Was stimmt?

    Was ich so aus der Leseprobe ziehen kann, ist eher, dass der Comic an den typischen Kinderkrankheiten der 80er Jahre-„Erwachsenen-Comics“ leidet (die Du ja auch ansprichst): Darstellungen von Sex und Gewalt zum Selbstzweck gepaart mit klischeehaften, sexistischen Rollen und gradliniger Dramaturgie.

    Viele der großen Comicautoren und -Zeichner dieser Epoche waren halt im Guten wie im Schlechten pubertäre Träumer – großartige Bilderwelten und kreative Ideen VS. unaufgeklärte Gedankenwelt und Obsession mit Sex (& Gewalt).

  2. Was den Rassismus angeht, glaube ich nicht mal, dass Schultheiss sich bewusst ist, dass er solche Stereotypen verwendet. Was das (und Gewalt) angeht, ist er (auch in seinen anderen Alben) völlig unreflektiert. Er will seine Figuren einfach nur als cool darstellen und verwechselt das mit Gefühllosigkeit.

  3. Bedauerlicherweise verhält es sich mit den Werken von Schultheiss wirklich wie geschildert. Zeichnerisch ein beeindruckendes, vielversprechendes Talent, von dem ich mir sehr viel erhofft, aber seine Geschichten hatten nicht das Potential international zu bestehen. Das war immer ein bisschen schade.

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