Der junge König

koenig-der-junge-koenig-11992 erhielt Ralf König beim 5. Comic-Salon in Erlangen den Max und Moritz-Preis als „Bester deutschsprachiger Comic-Künstler“. 2005 wurde er in Angoulême mit dem Prix Alph’Art  ausgezeichnet, im italienischen Lucca erhielt er den Premio miglior storia lunga. 2006 bekam er den Spezialpreis der Max und Moritz-Jury – König hatte gegen den religiösen Fundamentalismus protestiert, der sich damals wegen der Mohammed-Karikaturen breit machte und Cartoons dagegen gezeichnet. Und nächste Woche bekommt er in Erlangen den Sonderpreis für ein herausragendes Lebenswerk – mit gerade mal 54 Jahren.

In diesen 54 Jahren hat er 48 Alben veröffentlicht, von denen mehr als sechs Millionen Exemplare in zwölf verschiedenen Sprachen verkauft worden sind. Von den Verfilmungen und sonstigen Adaptionen seiner Werke gar nicht zu reden. Sein erstes Heft hieß schlicht Schwulcomix 1 und ist ebenso vergriffen wie die Folgebände zwei bis vier und andere Frühwerke des schwulen Szenechronisten. Und wenn man schon einen Preis für das Lebenswerk bekommt, sollte es auch komplett vorliegen. Also hat König sich überreden lassen, die alten Sachen neu aufzulegen, und so finden wir in diesem ersten Sammelband seiner Frühwerke die Schwulcomix 1 und 2 sowie einige Zugaben, wie Das sensationelle Comicbook aus dem Jahr 1981 und Arbeiten für Rosa Flieder und Torso. Und ja, zwei, drei bislang unveröffentlichte Fragmente aus der Zeit gibt es auch.

Das ist eine mutige Entscheidung, denn zwischen den krakeligen Zeichnungen von Schwulcomix 1 und seinen heutigen Arbeiten liegen Welten. Dazu kommt, dass auch die Gags im ersten Schwulcomix-Band ziemlich flach sind. In Schulcomix 2 kann man eine Steigerung sehen – sowohl was die Zeichnungen, wie auch, was die Pointen angeht. Schon darin wird klar, dass König Homosexualität nie losgelöst, sondern immer auch in einem politischen und gesellschaftlichen Kontext gesehen hat.

Für König-Fans ist Der junge König zweifellos ein must have, für alle anderen aber auch nicht uninteressant. Natürlich geht vieles noch wild durcheinander, aber mir hat die Lektüre dieses Bandes mehr Spaß gemacht, als seine eher zusammengehirnt wirkenden aktuellen Arbeiten wie Prototyp oder Raumstation Sehnsucht. Allerdings: Ganz so mutig war König dann doch nicht. Manche Einzelarbeiten aus der Zeit fehlen, und zwei Geschichten aus Schwulcomix 1 wollte er auch nicht mehr nachgedruckt sehen.

Ralf König: Der junge König 1 | Die frühen Comix: 1980 – 1984
176 Seiten, schwarzweiß, gebunden, 26,- Euro, Männerschwarm Verlag,
ISBN 978-3-86300-170-4

koenig-der-junge-koenig2Update 27.10.15: Band 2 ist da. Er enthält Schwulcomix 3 und 4 und auf rund 50 Seiten sonstiges Material aus der Zeit. Die meisten Geschichten aus den beiden Schwulcomix-Bänden sind bereits in den Alben Silvestertuntenball und Sahneschnitten bei Carlsen erschienen. Vom restlichen Material sind die Norbert Brommer-Stories aus Rosa Flieder echt klasse, der Rest ist nette Zugabe.

Wer die Carlsen-Bände nicht hat, bekommt hier ein liebevoll gestaltetes Album mit vielen unterhaltsamen Geschichten aus der Frühzeit von Königs Schaffen. Wer sie schon hat, bekommt wenig Neues und muss selber wissen, ob ihm das 33,- Euro wert ist. Allerdings liegt dieser Band im Gegensatz zu den früheren Ausgaben in gediegenem Hardcover vor.

Ralf König: Der junge König 2 | Die Vollendung der Knollennase: 1985 – 87
280 Seiten, gebunden, 33,- Euro, Männerschwarm-Verlag, ISBN 9783863001711

titel_der junge könig_band_3_20151123.inddUpdate 30.3.2016: Ähnlich wie Band 2 liefert auch der abschließende dritte Band der Reihe meist bekannte Arbeiten. Enthalten sind Auszüge aus dem Katalog seiner ersten Einzelausstellung Comic, Cartoons, Critzeleien (Janssen-Verlag), in dem vor allem der Pas de Deux allerliebst anzusehen ist. Außerdem die bei Carlsen erschienenen (bzw. dort nachgedruckten) Bände Prall aus dem Leben und Zitronenröllchen, sowie der ehemals in der Kunst der Comics erschienene Band Schwulxx-Comix, den König damals mit Walter Moers zusammen gezeichnet hat. 20 Seiten mit Zugaben – also Einzelarbeiten, die bislang nicht gesammelt erschienen sind – runden das Album ab.

Insgesamt bieten die Bände 2 und 3 nicht viel Neues, aber zusammen mit Band 1 liegt hier eine liebevoll gestaltete Reihe vor, die für König-Fans – nicht zuletzt durch die umfangreiche Bibliografie am Ende jedes Bandes – einen sehr guten Einblick in das frühe Schaffen des Meisters gibt. Außerdem enthält jeder Band ein Vorwort, in dem König Infos zur Entstehungsgeschichte seiner jeweiligen Arbeiten gibt – was im Gegensatz zu dem Geschreibsel, das sich ansonsten so Vorwort nennt, durchaus informativ und unterhaltsam zu lesen ist.

Ralf König: Der junge König Band 3 – Die Nasen werden bunt: 1988 – 1990
188 Seiten, gebunden, 30,- Euro, Männerschwarm-Verlag, ISBN 9783863002107
> Leseprobe

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