Schattenspringer

schreiter-schattenspringerAutismus gibt es in vielen Variationen. Eine davon ist das Asperger-Syndrom. Das Hauptproblem der Aspies besteht darin, dass sie ständig unter Reizüberflutung leiden. Wo bei normalen Menschen das Gehirn aus der Fülle der Informationen, die uns sekündlich optisch, akustisch, haptisch, olfaktorisch oder sonstwie erreichen, automatisch die unwichtigen aussortiert und uns nur die wesentlichen zur Verarbeitung weiterreicht, stehen die Synapsen von Asperger-Betroffenen unter Dauerfeuer. Das zu sortieren, erfordert Kraft und Energie – und gelingt trotzdem nicht immer. Weshalb Aspies Wert auf Ordnung und Regelmäßigkeit legen, weil das ihrem Leben eine Struktur gibt, in der sie sich sicher und geborgen fühlen.

Die Berliner Zeichnerin Daniele Schreiter hat darüber einen Comic gemacht. Sie weiß, wovon sie redet, denn sie leidet von Kindheit an selber darunter – was damals aber weder ihr noch ihren Eltern klar war. Da ist es die Hölle, wenn man nicht versteht, weshalb man keinen Kontakt zu anderen Kindern bekommt (und oft auch nicht will), oder weshalb man sich in der Schule ständig unterfordert fühlt, aber einen Horror vor den Pausen hat, weil das Durcheinander der vielen gleichzeitigen Geräusche und Bewegungen einen völlig fertig macht. Schreiter beschreibt die Probleme eines Aspie-Lebens anhand vieler solcher Details.

Das kommt nicht trocken und medizinisch daher, sondern wird unterhaltsam und informativ erzählt. Und natürlich gibt es reichlich Situationskomik, die sie mit ihren cartoonhaften Zeichnungen pointiert visualisiert. Ein sehr lebendiges Album, das sich prima liest. Auf ihrer Website findet man weitere Informationen und Links zu Foren, in denen Betroffene sich untereinander austauschen.

Top 10 2014Daniela Schreiter: Schattenspringer – Wie es ist, anders zu sein
160 Seiten, gebunden, meist schwarzweiß, 19,99 Euro, Panini,
ISBN 9783862019502, (E-Book: 15,99 Euro, ISBN 9783957834799)
> Leseprobe

Update 16.7.1015: Mit Schattenspringer 2 – Per Anhalter durch die Pubertät hat Daniela Schreiter eine Fortsetzung auf den Markt gebracht. In dem Album schildert sie, wie der Titel schon sagt, ihre Versuche, als Aspie mit der Pubertät klar zu kommen. Da man die zu Grunde liegenden Mechanismen schon aus dem ersten Band kennt, ist es nicht mehr so verblüffend oder (situations)komisch, aber weiterhin informativ.

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