WIZZYWIG

piskor-wizzywigIn den 1970er und -80er Jahren waren Computer noch nicht weit verbreitet. Von DSL war keine Rede, nicht mal ISDN gab es. Wer sich mit dem Internet verbinden wollte, musste seinen Commodore oder Atari-Computer noch an ein Modem anstöpseln, das die Verbindungstöne in einen ebenfalls angeschlossenen Telefonhörer röchelte. Das klang wie Gurgeln mit Halsweh. Statt einer Festplatte benutzte man Tonbänder zur Datenspeicherung, oder Floppy Disks – diese großen viereckigen Scheiben, die wunderbar biegsam (und sehr störanfällig) waren. Viren waren noch nicht erfunden, die kamen erst Anfang der 1980er. Hacker beschäftigten sich vorzugsweise damit, sich in die Zentrale der Telefongesellschaften einzuloggen, weil sie von dort aus Zugriff auf alle anderen Anschlüsse hatten.

Weil Telekommunikation mit Tonsignalen funktionierte, reichte ein bestimmter Ton, den man in den Hörer einspeiste, um kostenlose Ferngespräche führen zu können. Dafür wurden sogenannte illegale Blueboxen entwickelt, die den Ton erzeugten. In dieser Zeit spielt das Album WIZZYWIG, eine Umschreibung für WYSIWYG, was wiederum eine Abkürzung für What you see is what you get ist und Softwaresysteme bezeichnet, die Text und Bild am Bildschirm so darstellen, wie sie später auch ausgedruckt werden.

Autor und Zeichner Ed Piskor komprimiert in diesem unterhaltsamen Album die Biografien verschiedener Hacker aus der Anfangszeit des Webs in der fiktiven Person von Kevin Phenicle. Kevin ist Technikfreak, der sich am liebsten mit der Manipulation von Telefonsystemen beschäftigt. Als ihm die Polizei auf die Spur kommt, muss er fliehen. Piskor thematisiert dabei die Hetze, mit der der Staat via TV Jagd auf Kevin macht – und die Blödheit, mit der die Zuschauer kritiklos nachplappern, was ihnen an vermeintlicher Gefährdung vorgekaut wird (Er kann Satelliten abstürzen lassen!). Ein eingängig, in sehr klaren Bildern gezeichnetes Album, das spritzig daherkommt und die Atmosphäre der damaligen Zeit treffend spiegelt.

Ed Piskor: WIZZYWIG
288 Seiten, schwarzweiß, 19,99 Euro, Egmont Graphic Novel,
ISBN 978-3-7704-5504-1
> Leseprobe

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