Mutter Krieg

mael-mutter-kriegDieses Album spielt im Ersten Weltkrieg. Der war durch den langen Stellungskrieg und die grausamen Gaseinsätze einer der übelsten überhaupt. Vor allem Jaques Tardi hat darüber starke Comics gezeichnet – etwa den Zweiteiler Elender Krieg. In Mutter Krieg hat Autor Kris die elende Quälerei in den Schützengräben nicht gereicht. Er hat noch eine Krimistory drumrum gebastelt, in der drei Frauen umgebracht und dann in den Schützengräben ablegt werden. Dass das inmitten der Gemetzel tatsächlich jemanden stört und deswegen extra ein Polizist an die Front beordert wird, um einen Täter zu finden, der vielleicht längst am Gas erstickt oder von Granaten zerfetzt wurde, ist wenig wahrscheinlich. Die Auflösung am Ende auch.

Was die Story angeht, könnte man sich das Album also sparen – wenn da nicht die Zeichnungen von Maël wären. Der nutzt jede sich bietende Gelegenheit, um dem Leser die Schrecken dieses Krieges nahe zu bringen, und tut das auf sehr anschauliche Weise. Wenn die Panzer über die Seiten brechen, die Explosionen der Granaten die Panels zu sprengen drohen, Soldaten sich todmüde durch zerschossene Städte schleppen oder die Verwundeten in den notdürftig zu Lazaretten umfunktionierten Kirchen ihrem Tod entgegen husten, wird der ganze Irrsinn dieser Zeit deutlich. Angesichts dieses Schreckens von schönen Zeichnungen zu sprechen, wäre makaber – nennen wir sie ausdrucksstark.

Wie viel Ausdruck Maël in seine Figuren und Landschaften legen kann, wurde schon in seiner Kafka-Adaption In der Strafkolonie und seinem Antikriegs-Album Die Rückkehrer deutlich. Das ist in Mutter Krieg nicht anders. Und obwohl die Krimihandlung wenig interessant ist, nutzt Kris sie auch, um zu zeigen, was der Krieg aus Menschen macht. Und mit welcher Mischung aus Gleichgültigkeit und Unfähigkeit Politiker und Generäle ihr Menschenmaterial verheizen. So gesehen doch ein lesens-, und vor allem ansehenswerter Vierteiler. Und eine gute Idee von Splitter, diesen Vierteiler, der in Frankreich der offizielle Comic zum Thema 100 Jahre 1. Weltkrieg ist, gleich als Gesamtausgabe zu publizieren.

Maël, Kris: Mutter Krieg
256 Seiten, gebunden, 39,80 Euro, Splitter, ISBN 978-3-86869-757-5
> Leseprobe

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