Zweite Generation

kichka-zweite-generationDie zweite Generation – damit sind in diesem Album Kinder von Holocaust-Überlebenden gemeint. Der in Belgien geborene Zeichner Michel Kichka, der heute an der Bezalel Academy of Arts and Design in Jerusalem unterrichtet, beschreibt darin seine Kindheit. Sein 1926 geborener Vater wurde 1942 nach Auschwitz deportiert, seine Familie ermordet. Der Vater überlebte selbst den Todesmarsch nach Westen, auf den die Nazis nach dem Näherrücken der Roten Armee alle Häftlinge schickten, die noch irgendwie laufen konnten.

Diese Erfahrung prägte die Lebensweise des Vaters bis in kleinste Winkel des Alltags – und damit auch den Alltag seiner Kinder. Der Holocaust ist unausgesprochen in jeder Handlung des Vaters präsent – von der Art, wie er seine Suppe löffelt, bis zu der Art, wie er seine Kinder erzieht. Sohn Michel wacht nachts oft schreiend auf, weil er von dem KZ geträumt hat, in dem die Familie gequält worden ist. Er versucht die Geschichten des Vaters mit kindlicher Naivität nachzuvollziehen. Als der Vater erzählt, dass er während des Todesmarsches Schnee gegessen und davon Durchfall bekommen hat, isst der kleine Michel auch heimlich Schnee – und wundert sich, dass er keinen Durchfall bekommt.

Doch trotz allem Schrecken ist es ein lebensbejahendes Album geworden. Für den Vater ist schon die reine Existenz seiner Kinder und Enkel ein Sieg über das Judenvernichtungsprogramm der Faschisten. Seine Erinnerungen hat er in einem Buch festgehalten. Immer wieder leitet er Führungen in Auschwitz. Ein spannender und informativer Comic – anschaulich, durchaus auch mit komischen Elementen, erzählt und ausdrucksstark gezeichnet.

Top 10 2014Michel Kichka: Zweite Generation – Was ich meinem Vater nie gesagt habe
180 Seiten, schwarzweiß, 19,99 Euro, Egmont Graphic Novel,
ISBN 978-3-7704-5505-8
> Leseprobe

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2 Gedanken zu “Zweite Generation

  1. Warum schreibst du eigentlich Comic-Rezensionen? Wie fast immer, kann ich inhaltlich verstehen, um was es geht und leider auch wie fast immer, hab ich keine Ahnung, wie das gezeichnet ist. „Ausdrucksstark“ ist etwas dünn.
    Als ob’s ein Roman wäre ;-(

    • Weshalb es einen Link zur Leseprobe gibt. Da kann man sehr genau sehen, wie es gezeichnet ist, aber nicht, ob die Story was taugt. So ergänzen sich die Dinge …

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