Vasmers Bruder + Green River Killer

bassewitz-vasmers-bruderIn dem Kopf von Peer Meter möchte man nicht stecken. Der Mann hat sich in den vergangenen Jahren mit so vielen Morden beschäftigt, dass er Alpträume haben muss. In dem genialen Album Gift hat er das Leben der Gesche Gottfried recherchiert, die Anfang des 19. Jahrhunderts fünfzehn Menschen in Bremen vergiftet haben soll. In dem nicht minder starken Album Haarmann ging es um den gleichnamigen Massenmörder, der in den 1920er Jahren in Hannover über zwanzig Menschen geschlachtet und ihr Fleisch verkauft hat. Jetzt präsentiert Meter in Vasmers Bruder den Kanibalen Karl Denke, der zwischen 1903 und 1924 in Schlesien mindestens dreißig Menschen verspeist hat, bevor seine Metzeleien entdeckt wurden.

Viel weiß man nicht über die Motive von Denke. Er erhängte sich am Tag seiner Verhaftung in der Zelle. Meter kann also nur spekulieren, aber das tut er nicht, sondern nimmt die wenigen bekannten Fakten als Ausgangspunkt für eine Geschichte, die den Leser tief in den Keller von Denkes heute noch erhaltenem Haus zieht. Dass es da unten ungemütlich ist, muss man nicht betonen – zumal man sich nur im Strahl einer Taschenlampe durch das modrige Gemäuer tasten kann.

Als Zeichner hat sich Meter diesmal David von Bassewitz ausgesucht. Der arbeitet vorwiegend mit meist konturlosen Schwarzweiß-Schraffuren, auf denen man in den entscheidenden Szenen wenig erkennt, was das Kopfkino so in Gang setzt, das finsterste Fantasien abgerufen werden. Ein im wahrsten Sinne des Wortes ekelhaft starkes Album, ebenso unheimlich wie beklemmend, von dem man froh ist, dass man es nicht vor dem Einschlafen gelesen hat.

David von Bassewitz, Peer Meter: Vasmers Bruder
176 Seiten, sw, gebunden, 17,90 Euro, Carlsen, ISBN 978-3-551-72969-9

case-green-river-killerAuch in Green River Killer geht es um einen Massenmörder. Der US-Amerikaner Gary Ridgway tötete zwischen 1982 und 2001 rund 50 Frauen in der Gegend von Seattle. Auch er wurde nur durch Zufall entdeckt – erst eine späte DNA-Analyse brachte die Polizei auf die Spur. Tom Jensen war damals Polizist und hat jahrelang an dem Fall gearbeitet. Sein Sohn, Journalist bei Entertainment Weekly, hat die Erlebnisse des Vaters in einem Comicszenario verarbeitet und die Story von Zeichner und Illustrator Jonathon Case in schwarzweiße Bilder umsetzen lassen.

Leider ist Jenson nicht Meter und Case nicht Bassewitz. Eine Geschichte, deren Kern dem Leser bekannt ist, bevor er das Album aufschlägt (ein Mann hat 50 Frauen ermordet), so zu erzählen, dass sie trotzdem Spannung hat, ist nicht leicht. Jensen verheddert sich in Storyaufbau. Die Geschichte tröpfelt über die Seiten, und die puristischen Schwarzweiß-Zeichnungen von Case sind sicher nicht schlecht, bieten aber auch keinerlei Abwechslung. Ich schwöre, ich hatte den festen Vorsatz, das Album trotzdem zu Ende zu lesen, aber es wurde von Seite zu Seite langweiliger. Ich habe es nach der Hälfte zugeklappt.

Jonathon Case, Jeff Jensen: Green River Killer
240 Seiten, sw, gebunden, 18,90 Euro, Carlsen, ISBN 978-3-551-73644-4

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