Reportagen

sacco-reportagenJoe Sacco ist Comic-Journalist. Er hat Reportagen über den Krieg in Bosnien und Palästina (und Gaza) gezeichnet, die allesamt hochdekoriert wurden. In dem neuen Band berichtet er über den Krieg im Kaukasus und im Irak, über afrikanische Flüchtlinge, die auf Malta gestrandet sind und über eine Kaste in Indien, deren Status so sehr unter dem anderer Kasten liegt, dass diese Menschen wahrscheinlich in naher Zukunft schlichtweg vor Hunger aussterben werden. Außerdem gibt es ein paar kleinere Beiträge über das Kriegsverbrechertribunal in Den Haag und Begegnungen in Palästina – gezeichnet für Zeitungen wie Time, Guardian und Globe.

Was mir an seinen bisherigen – durchaus interessanten – Alben weniger gefallen hat, war, dass seine Geschichten immer ein bisschen in der Luft zu hängen schienen. Was bringt es, ein Interview mit Kriegsopfern an das andere zu reihen? In seinen Alben wimmelt es von ermordeten, vergewaltigten, verschleppten, gefolterten und vertriebenen Menschen. Das anzuprangern ist okay – aber was sagt es über die Ursache eines Konflikts? Die Bestialitäten, die Menschen in (Bürger)kriegen einander antun, sind immer die gleichen – egal an welchem Ort oder in welchem Land.

Das ist in diesem Album insofern anders, als es nicht auf ein Thema beschränkt ist, und auch nicht versucht, ein Thema erschöpfend abzuhandeln. Sacco pickt sich einzelne Aspekte heraus, schildert die aber so präzise, dass man dadurch einen Einblick in die Gesamtsituation bekommt. Ihm reichen vier Seiten, um den Hass zwischen jüdischen Siedlern und palästinensischen Bewohnern in Hebron auf den Punkt zu bringen – und damit, ohne es auszusprechen, klar zu machen, dass es in solchen Strukturen niemals Frieden geben kann. Die Kaukasus-Reportage ist dann wieder nach oben beschriebenen Muster gestrickt, aber die Geschichten aus dem Irak zeigen sehr gut, wie ignorant die westliche und islamische Welt aneinander vorbei leben (und bomben), und der lange Bericht über das Elend der afrikanischen Flüchtlinge in maltesischen Lagern macht einmal mehr den Rassismus der Europäer gegenüber Afrikanern deutlich. Auch die Indien-Reportage ist interessant. Ein Album, das mir von allen bisher hier erschienen Sacco-Alben am besten gefällt.

Joe Sacco: Reportagen
192 Seiten, schwarzweiß, 24,- Euro, Edition Moderne, ISBN 978-3-03731-107-3
> Leseprobe

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