Das Spiel der Schwalben

abirached-spiel-der-schwalbenZeina Abirached wurde 1981 während des Bürgerkriegs in Beirut geboren. Fünf Jahre später – der Krieg sollte noch weitere fünf Jahre dauern – kommen ihre Eltern von einem Besuch bei der Großmutter nicht zurück. Ihre Wohnung liegt am Rand der Demarkationslinie, die den christlichen Westen vom muslimischen Ostteil der Stadt trennt. In den Straßen wüten Militärs und Scharfschützen. Die Häuser der Eltern und der Großeltern sind nicht weit voneinander entfernt, aber die Heckenschützen machen die Strecke lebensgefährlich. Man kann sich dort nur nach einem ausgeklügelten System bewegen. Auch das bietet keine Garantie, dass man lebend ankommt.

Um die kleine Zeina von ihrer Angst um das Leben der Eltern abzulenken, versammeln sich die Nachbarn in ihrer Wohnung. Die ist, um sich vor Kugeln zu schützen, immer kleiner geworden. Ein Zimmer nach dem anderen wurde aufgegeben. Am Ende bleibt nur noch ein einziger halbwegs sicherer Raum, in dem sich alle versammeln. Auch sonst zwingt der seit Jahren anhaltende Bürgerkrieg zur Improvisation. Als die Stromausfälle häufiger werden, besorgt sich einer der Hausbewohner einen Generator. Der erlaubt es, gemäß einer komplizierten Berechnung der Amperezahlen aller angeschlossenen Geräte, entweder einen Teil der Wohnung zu beleuchten, oder den Fernseher und eine Lampe anzuschalten, oder den Staubsauger, oder das Bügeleisen zu benutzen.

Abirached liefert die exakte Beschreibung eines Lebens im Bürgerkrieg, und die vielen Details, die sie aufzählt, lassen sogar Situationskomik aufkommen. Die holzschnittartig wirkenden Zeichnungen sind präzise, aber statisch, und wirken, weil sie manche Motive mehrmals auf einer Seite wiederholt, streckenweise eintönig. Trotzdem ist es kein schlechtes Album. Es zeigt, wie Menschen ihr Leben auch unter widrigsten Umständen organisieren. Zu Abiracheds Zeiten im Libanon – heute in Syrien, im Irak und überall sonst, wo ähnliche Zustände herrschen.

Zeina Abirached: Das Spiel der Schwalben
182 Seiten, schwarzweiß, 19,95 Euro, avant, ISBN 978-3-939080-77-0
> Leseprobe

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