Die falschen Gesichter

tanquerelle-falsche-gesichterWer auf moralische Belehrungen und erhobene Zeigefinger in Krimis verzichten kann, fährt mit den alten französischen Noir-Filmen immer gut. Figuren wie Jean Gabin oder Alain Delon brauchen nicht viel Text, um Spannung zu erzeugen. Das ist auch in diesem Album so, in dem David B. die Geschichte einer Gangsterbande erzählt, die im Paris der 1970er Jahre einen Banküberfall nach dem anderen machte – und dabei ziemlich abkassierte.

Ihre Masche war simpel, aber für damalige Verhältnisse neu: Anstatt sich bei Überfällen Strumpfhosen über zu ziehen klebten sie sich falsche Bärte an, stülpten sich Perücken über und tarnten sich mit Brillen und Make-up bis zur Unkenntlichkeit. Was nicht nur den Vorteil hatte, dass die Ermittler keine Anhaltspunkte bekamen, sondern auch den, dass man nicht blind in die Bank reinstürmen, sondern zunächst wie alle anderen Kunden ganz normal die Bank betreten, sich strategisch gut im Raum verteilen und die Situation in Ruhe abchecken konnte. Außerdem schottete sich die Gang vom kriminellen Milieu in Paris ab, wodurch selbst die Unterwelt im Dunkeln tappte und Spitzel keine Informationen liefern konnten.

David B. greift auf Fälle zurück, die sich tatsächlich zugetragen haben. Hervé Tanquerelle setzt die Geschichte in Bilder um, die die Atmosphäre der Zeit gut rüberbringen. Ein spannender Krimi, der sich flott liest – und in dem trotz allem Einfallsreichtum der Gang-Mitglieder immer auch eine Portion Hoffnungslosigkeit mitschwingt.

Hervé Tanquerelle, David B.: Die falschen Gesichter
152 Seiten , zweifarbig , 19,95 Euro, avant, ISBN 978-3-939080-66-4
> Leseprobe

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