Nausea

Robert Crumb braucht man niemandem mehr vorzustellen. Er hat in den 1960er Jahren mit seinen Comics viel dazu beigetragen, das Medium zu erneuern – sowohl was die bildliche, wie auch was die erzählerische Ebene angeht. Kaum jemand hat seine (sexuellen) Obsessionen so öffentlich zur Schau gestellt, wie Crumb die seinen in seinen Alben. Auch das war neu. Bekannt wurde er vor allem durch Fritz the Cat, aber auch durch Plattencover für Janis Joplin und Adaptionen von Kafkas Geschichten. Heute ist er sowas wie eine lebende Legende und hat Ausstellungen weltweit – unter anderem im Museum of Modern Art in New York.

Nausea ist das erste Album einer Reihe, in der Reprodukt Crumbs Arbeiten neu auflegen will. Die Geschichten in Nausea stammen aus den 1980er Jahren und adaptieren allesamt literarische Themen. Es beginnt mit Krafft-Ebings 1866 erschienener „Psychopathia Sexualis“ – Analysen von Fetischhandlungen, für deren grafische Umsetzung man sich kaum einen geeigneteren Zeichner als Crumb hätte vorstellen können. Aber auch existenzialistische Geschichten, wie Sartres „Ekel“, setzt er als Comic um.

Die Mischung ist typisch Crumb – philosophisch, sinnlich (manche werden sagen: pornografisch), selbstironisch, und ab und zu weht ein Hauch Metaphysik über die Seiten. Man kann von seinen (teilweise versponnenen) Geschichten halten, was man mag – als Zeichner ist er schlicht genial und längst Vorbild für andere. Erfreulich also, dass Reprodukt seine Arbeiten in dieser bibliophilen Ausstattung in halbjährlichem Rhythmus neu auflegt – passenderweise von Harry Rowohlt übersetzt.

Robert Crumb: Nausea
112 Seiten, gebunden, schwarzweiß, 29,- Euro, Reprodukt,
ISBN 978-3-943143-29-4
> Leseprobe

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