Die Mauer

Sie ist 760 Kilometer lang und fünf Meter hoch. An manchen Stellen auch höher. Die Mauer soll Israel vor Angriffen aus dem Westjordanland schützen. Drei Viertel der Mauer liegt auf palästinensischem Gebiet. Um sie zu bauen, wurden Häuser, Geschäfte, Olivenbäume, Bewässerungsanlagen und Äcker platt gemacht. Dazu kommen mehr als 100 illegale israelische Siedlungen mit mehr als 280.000 Siedlern – und die Soldaten, die sie beschützen. Das trägt wenig zu einer friedlichen Atmosphäre bei.

2008 reiste Maximilien Le Roy zu einem Zeichenworkshop in das Flüchtlingslager Aida bei Bethlehem und freundete sich dort mit dem Palästinenser Mahmoud Abu Srour an. Später entstand daraus dieses Album, in dem Mahmoud von seinem Leben mit der Mauer und vom Alltag in Palästina erzählt. Als Jugendlicher hatte er sechs Jahre in Israel gearbeitet und sich von dem dabei gesparten Geld auf dem Grundstück seines Vaters einen kleinen Hof gebaut – mit Schafen, Hunden und einem Vogelhaus. Israelische Soldaten rissen den Hof ab, erschossen Schafe und Hunde und errichteten eine israelische Siedlung. Was man gegen diesen Irrsinn tun kann? Mitleid will er nicht. Man soll die Opfer nicht zu Heiligen machen, sagt er. Denn wer heute Opfer ist, kann morgen zum Täter werden. Und: Groll ist würdelos und Hass erniedrigt.

Es ist eine der Geschichten, die man so oder ähnlich von vielen Bewohnern des Westjordanlands hören kann. Le Roy hat ein Album daraus gemacht, das gut gezeichnet und genauso trist koloriert ist, wie sich der Alltag in den Palästinensergebieten anfühlt. Ein müdes Grün in verschiedenen Abstufungen, das ist alles. Nur selten kommt richtig Farbe auf die Seiten. So bleibt es nicht nur inhaltlich, sondern auch optisch ein eher trostloses Werk, das mehr Fragen aufwirft als Antworten gibt – und damit ehrlich bleibt: informativ, ohne billige Patentlösungen anzubieten. Auch mit dem Thema Gewalt setzt sich Mahmoud sehr differenziert auseinander. Nach Joe Saccos Alben Gaza und Palästina und Sarah Gliddens Israel verstehen eine weitere interessante Comic-Reportage aus dem Nahen Osten.

Maximilien Le Roy: Die Mauer – Bericht aus Palästina
104 Seiten, 19,80 Euro, Edition Moderne, ISBN 978-3-03731-091-5
> Leseprobe

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2 Gedanken zu “Die Mauer

  1. Lieber Herr Hetzler,
    die „Mauer“ ist nicht 760 km lang, wohl aber die Sperranlage. Gerade erst habe ich Ihren Artikel in der HLZ vom Mai 2013 gelesen und mich ein wenig gewundert, dass sich dieser „Fehler“ in die ansonsten sehr informativen Ausführungen eingeschlichen hat.
    Mit besten Grüßen
    A. Kluge

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