Packeis

Wer war zuerst am Nordpol – Frederick Cook, Robert Edwin Peary, oder gar Matthew Henson? Wahrscheinlich keiner der drei, aber Genaues weiß man nicht, denn die Dokumentationsmöglichkeiten der damaligen Zeit (1908/1909) waren nicht so gut, dass man die Angaben der Polarreisenden exakt hätte nachprüfen können.

Der 1982 in Erfurt geborene Illustrator Simon Schwartz, der mit dem Album drüben! sein mehrfach prämiertes Comicdebüt gegeben hat, geht hier nicht nur der Frage nach, wem der Ruhm zufällt, sondern er mischt seine Reportage mit den Mythen der Grönland-Indianer – und in denen wird Mahri Pahluk, alias Matthew Henson, als Nordpol-Entdecker gefeiert. Das hat aber in den USA damals niemanden interessiert. Henson war zwar Mitglied von Pearys Gruppe, aber ein Schwarzer.

Interessant an diesem Album ist also nicht nur die durch mehrere gescheiterte Expeditionen verursachte Spannung beim Rennen um die Erstbetretung des Pols, sondern auch der Einblick in die Sichtweise der weißen US-Amerikaner auf die farbige Bevölkerung. Auch nach dem offiziellen Ende der Rassentrennung wurden Schwarze als Menschen zweiter Klasse gesehen. Und fühlten sich auch so. Das wird nicht zuletzt in dem Selbstverständnis von Henson deutlich.

Die Zeichnungen sind recht großflächig. Klarer Stil, klare Konturen, ein bisschen wie David B., in schwarzweiß mit blauer Schmuckfarbe. Ein vielschichtiges, auch spannendes Album, das in seinem 18seitigen Anhang den Ablauf der Ereignisse noch einmal chronologisch auflistet und mit Originalfotos der damaligen Akteure ergänzt.

Simon Schwartz: Packeis
176 Seiten, sw + blau, 19,95 Euro, avant, ISBN 978-3-939080-52-7
> Leseprobe

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