Die heilige Krankheit

Zum 30jährigen Jubiläum bietet die Edition Moderne den Zweiteiler von David B. zum halben Preis an – also beide Bände zum Preis von einem. Das gibt mir Gelegenheit, dieses Album auch hier vorzustellen, denn als der erste Band 2006 erschien, gab es COMICKUNST noch nicht.

David B. (alias Pierre-Francois Beauchard) schildert in diesem autobiografischen Werk seine Kindheit, die vor allem von der Krankheit seines Bruders geprägt war. Der litt an Epilepsie, hatte zunehmend stärkere Anfälle und wurde von seinen Eltern von einem Arzt zum anderen gefahren, in der Hoffnung, dass irgendjemand helfen kann.

Aber in den siebziger Jahren kannte die Schulmedizin noch kein Mittel gegen Epilepsie. Dafür gab es jede Menge selbsternannter Gurus. Und Homöopathie, Akupunktur, Magnetismus, Vegetarismus, Makrobiotik – die Liste der Heilslehren war lang. So kam zum Martyrium der Krankheit das Martyrium der Arztbesuche, bei denen oft selbst die seriösen Ärzte unseriöse Therapien vorschlugen. Unter anderem eine Gehirnoperation mit späteren Lähmungserscheinungen als bleibende Nachwirkung.

Wie David B. diesen Irrsinn grafisch umsetzt ist stark. Wie er dabei die wachsende soziale Isolierung seines Bruders und die Probleme beschreibt, die das in der Familie verursacht, auch. Wer die Alben noch nicht kennt, hat hier die günstige Gelegenheit, einen der interessantesten Comics der neunziger Jahre kennenzulernen.

David B.: Die heilige Krankheit 1 & 2
378 Seiten, schwarzweiß, gebunden, 24,- Euro, Edition Moderne,
ISBN 978-3-03731-093-9
> Leseprobe
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