Das Zeichen des Mondes

Idealerweise sollten sich in einem Comic Story und Grafik auf gleich hohem Niveau bewegen. Das passiert leider selten. Oft hat man eine interessante Geschichte, und die Grafik hinkt hinterher, oder man hat starke Zeichnungen, aber die Story dümpelt auf unsäglichem Niveau. Bei diesem Album passt eines zum anderen wie die Faust aufs Auge. Will sagen: Der hinterhältige Volltreffer, den Bonet im Gesicht des Lesers landet, wird von Munuera in ausdrucksstarke Schwarzweiß-Bilder umgesetzt. Das Ergebnis ist ein tragisches, düsteres, teilweise grausames, aber auch sehr poetisches Album – eine spannende Mischung aus Märchen und Fantasy, die sich deutlich von der Masse ähnlicher Produktionen abhebt.

In einem mittelalterlichen Wald gibt es einen geheimnisvollen Ort. Es ist die Lichtung vor dem Turm des Verrückten. Auf der Lichtung steht ein Brunnen, und in dem Brunnen – nun ja… Der kleine Bruder von Artemis hat jedenfalls mächtig Angst vor dem Wesen, das angeblich in dessen Tiefen lauert. Artemis dagegen möchte unbedingt nachts den Vollmond bewundern – und das geht am besten auf dem Turm.

Diese unheimliche Kulisse bevölkert Bonet mit allerlei fantasievollen Figuren. Neben Artemis und ihrem Bruder gibt es Nase (den Wicht einer Heilerin), Rufo (einen Unheil stiftenden Jugendlichen), Reisig (einen Tierflüsterer), Wundersam (einen Zigeuner) und – den Mond (in seiner ganzen Herrlich- und Grausamkeit).

Munuera, der unter anderem den ersten Band der Chroniken von Sillage und einige Bände der Spirou & Fantasio-Reihe gezeichnet hat, bringt mit seinem dynamischen Strich viel Leben in Gestik und Mimik seiner Charaktere, der Wald ist so unheimlich, wie man sich das von einem Märchenwald nur wünschen kann, und die Panelaufteilung mit seinen manchmal ganz- und doppelseitigen Bildern ist ein wahrer Augenschmaus. Erfreulich zudem, dass Munuera den Mut hatte, seine starken Schwarzweißzeichnungen nicht mit Farbe zuzukleistern. Ein Album, das auch gut in das Programm von Splitter gepasst hätte und erste Wahl für alle ist, die Geschichten wie Das Ende der Welt, Im Bann der Hexer oder Zoo mögen.

Top 10 2012José Munuera, Enrique Bonet: Das Zeichen des Mondes
144 Seiten, schwarzweiß, gebunden, 29,90 Euro, Carlsen,
ISBN 978-3-551-73423-5

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