Chapeu, Herr Rimbaud

Arthur Rimbaud (1854 – 1891) war einer der großen französischen Lyriker. Viele seiner Gedichte veröffentlichte er – nicht zuletzt durch die Freundschaft mit Verlaine – bereits als Jugendlicher, bevor er sich 19jährig aus dem Literaturbetrieb zurückzog. Es wurde ihm alles zu spießig.

Fortan zog er als Abenteurer durch die Welt – mal als Söldner einer Kolonialarmee (aus der er schnell wieder desertierte), mal als Arbeiter einer französischen Handelsfirma im Jemen. Im Juli 1886 trifft er in Abessinien am Horn von Afrika den Ex-Kommunarden Jean Roch Folelli. Folelli wird gesucht, weil er einen Priester umgebracht hat. In Afrika, so hofft er, wird man ihn nicht finden. Doch auch dort haben die Kolonialmächte ihre Soldaten und Spitzel.

Folelli schließt sich einer von Rimbaud zusammengestellten Karavane an. Die Kamele transportieren 1800 Gewehre und 80.000 Schuss Munition. Rimbaud will damit an den Kriegen zwischen den Stämmen verdienen. Der Weg durch Wüste, Gebirge und Salzsee ist beschwerlich, es entstehen tödliche Konflikte, und ob der sprechende Schakal Realität oder Phantasie ist, wird Folelli genauso wenig klar, wie die Frage, ob er wirklich mit der Königin von Saba geschlafen hat.

Eine insgesamt etwas konstruiert wirkende Story, die durch die eingeflochtenen Mystikelemente nicht klarer wird. Die entfernt an Pratt erinnernden Zeichnungen des 1956 in Bühl-Baden geborenen Christian Straboni sind allerdings schön anzusehen. Sie bringen viel afrikanische Atmosphäre auf die Seiten. „Eine Phantasie über die unbekannte Zeit Rimbauds in Afrika“, so charakterisiert der Verlag dieses Album. Kann man so sagen.

Christian Straboni, Laurence Maurel: Chapeau, Herr Rimbaud
80 Seiten, schwarzweiß, gebunden, 19,90 Euro, Matthes & Seitz, ISBN 978-3-88221-556-4

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