Der Incal

Wieder einmal ein Klassiker aus den 1980er Jahren bei Splitter. Die mit zahlreichen Fantasyelementen gespickte SF-Serie Der Incal erschien zwischen 1983 und 1989 zunächst in sechs Bänden bei Carlsen unter dem Titel John Difool und wurde später bei Feest/Ehapa neu aufgelegt und um einige Zusatzbände erweitert – wie auch Splitter mit der Trilogie Der letzte Incal an den Erfolg der Hauptserie anzuknüpfen versucht.

Als der erste Band 1983 erschienen, war die Begeisterung groß. Es war inhaltlich und grafisch völlig neu, was Jodorowsky und Moebius da ablieferten. Inzwischen sind 30 Jahre vergangen, und was damals innovativ war, wirkt heute manchmal ein bisschen konfus. Moebius hat viel experimentiert. Er schwankte zwischen konventioneller Panel-Aufteilung und großflächigen Bildern, die von Band zu Band mehr wurden. Geniale Seitenaufteilungen wechseln mit chaotischen Kampfszenen und viel Kleinklein zwischendrin. Das macht die Alben optisch sehr unruhig.

Inhaltlich dreht sich alles um den Incal, eine kleine energetische Pyramide, die es in einer schwarzen und einer weißen Version gibt. Bringt man sie zusammen, hat man endlose Macht. Damit diese Macht nicht den Techno-Technikern in die Hände fällt, müssen sich Privatdetektiv John Difool, sein Betonvogel Dipo und der Meta-Baron mit sonnenfressenden Schatteneiern, Psychoratten, als Kampfmaschinen inkarnierenden Präsidenten und ähnlich skurrilen Ereignissen rumschlagen. Eine originelle Mischung aus technologischer Apokalypse und Jodorowskys esoterischen Weltrettungsphantasien in wahrhaft innovativem Design, die sehr schnell Kult-Status bekam.

Splitter hat die Übersetzung der Carlsen-Ausgaben von Resel Rebiersch übernommen, allerdings das Lettering verbessert, und auch die Kolorierung ist nuancenreicher. Im Anhang des ersten Bandes gibt es informative Biografien zu Jodorowsky und Moebius und einen sechsseitigen Text von Jodorowsky über ein gescheitertes Filmprojekt, den man sich hätte sparen können. Wie immer bei Splitter rundet ein integrierter Kunstdruck (in Band 1 das Cover der ersten Carlsen-Ausgabe) die Ausgabe ab. Die Folgebände sollen in zweimonatlichem Rhythmus erscheinen.

Moebius, Alejandro Jodorowsky: Der Incal
Band 1: 64 Seiten, gebunden, 15,80 Euro, Splitter, ISBN 978-3-86869-277-8
> Leseprobe

Advertisements

Ein Gedanke zu “Der Incal

Kommentieren?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s