Auf der Suche nach dem Vogel der Zeit

Es gibt Serien, die setzen Maßstäbe, und diese gehört dazu. Als die Reihe in den 1980er Jahren erschien, avancierte sie schnell zur Kult-Serie für Fantasy-Fans. Nicht nur die Leser waren begeistert – auch Zeichner orientierten sich an dem flirrenden Stil von Loisel. Das besondere an dieser Serie waren aber nicht nur die eigenwilligen Zeichnungen – die Handlung hob sich auch wohltuend von den Fantasyserien ab, in denen sich hirnlose Helden der Angebeteten stereotyp entgegenmetzelten. Auch im Vogel der Zeit wurde gekämpft, und das nicht wenig, aber hier war Köpfchen gefragt. Dazu kamen all die fantastischen Figuren wie Pelzchen (Pelissas blauer Schultergnom), die Hüter des Tempels und viele andere schräge Viecher, die Abwechslung und Witz in eine Handlung brachten, in der Pelissa, die Tochter der Zauberprinzessin Mara, zusammen mit dem Ritter Bragon und einem maskierten Unbekannten durch verwunschene Landschaften ritten, um einen magischen Vogel zu finden.

Nach den ersten vier Alben war die Serie eigentlich abgeschlossen. Doch wie das bei erfolgreichen Projekten oft ist, gab es Fortsetzungen. Sie schildern die Jugend von Bragon und Pelissa. Nach einem fünften und sechsten Band liegt jetzt der siebte vor (weitere sollen folgen). In Band fünf hat sich Loisel den Zeichenjob immerhin noch mit Lidwine geteilt, in Band sechs hat dann Mohamed Aouamri den Stift übernommen, und im aktuellen Band sieben steht Loisel zwar noch auf dem Cover, die Zeichnungen sind aber von Vincent Mallié, und die Farben von Lapierre. Im Vergleich zu Loisels Stil wirkt das alles sehr glatt und leer. Stellt sich die Frage, ob sich damit das typische Vogel der Zeit-Feeling beim Lesen einstellt, oder ob die Reihe damit den Weg in den Mainstream angetreten hat.

Hat sie nicht. Vielleicht ist es der Erzählkunst von Le Tendre zu verdanken, dass man schon nach wenigen Seiten wieder in der Vogel der Zeit-Atmosphäre versinkt, vielleicht liegt es daran, dass Loisel an dem Szenario mitgearbeitet hat, auf jeden Fall hat man sehr schnell Spaß an dem Album, in dem der junge Bragon nach Akbar reist, um sich von Meister Grauwolf im Schwertkampf unterrichten zu lassen. Doch der Weg zu Bragon ist weit, und in den Wäldern lauern gefräßige Fabelwesen.

Trotz mehrfachem Zeichnerwechsel bringen Le Tendre und Loisel es also fertig, die Serie auf hohem Niveau zu halten, und auch an die neuen Zeichnungen gewöhnt man sich schnell. Der Vogel der Zeit gehört damit nach wie vor zu den besten Fantasy-Serien auf dem Markt. (Und die Kenntnis der Vorgängeralben ist keine zwingende Voraussetzung für das Verständnis dieses Bandes.)

PS: Eine gebundene, also Hardcover-Ausgabe dieses Bandes ist bei Carlsen nicht geplant.

Update 20.11.14: Band 8 ist da. Nach  wie vor eine schöne Atmosphäre, aber die Story zerfasert langsam.

Mallié, Le Tendre, Loisel: Auf der Suche nach dem Vogel der Zeit (7)
72 Seiten, 12,- Euro, Carlsen, ISBN 978-3-551-73827-1

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