Gonzo

Wir waren irgendwo bei Barstow am Rande der Wüste, als die Drogen zu wirken begannen. Ich weiß noch, dass ich sowas sagte wie: „Mir hebt sich die Schädeldecke, vielleicht solltest DU fahren…“ Und plötzlich war ein schreckliches Getöse um uns herum, und der Himmel war voller Viecher, die alle aussahen wie riesige Fledermäuse, und sie alle stürzten auf uns herab, kreischend wie ein Kamikaze-Angriff auf den Wagen, der mit hundert Meilen Geschwindigkeit und heruntergelassenem Verdeck nach Las Vegas fuhr. Und eine Stimme schrie: „Heiliger Jesus! Was sind das für gottverdammte Biester?!“

So liest sich der Anfang von Hunter S. Thompsons Roman Angst und Schrecken in Las Vegas (verfilmt mit Johnny Depp in der Hauptrolle), und so wirkte Thompson in der Öffentlichkeit auch: ständig auf Achse, und immer zugedröhnt. Das war der Erfinder des Gonzo-Journalismus meistens auch. Der 1937 geborene Autor der amerikanischen Beat-Generation lieferte Reportagen ab, die so lebendig waren, wie sie vor ihm kaum jemand geschrieben hatte. Und die den Irrsinn des american way of live entblätterten wie wenig andere. Seine subjektive Schreibe und Lebensweise prägte eine ganze Journalisten-Generation. Im Februar 2005, im Alter von 68 Jahren, hatte Thompson dann genug. Er schoss sich eine Kugel durch den Kopf.

Die Comicbiografie konzentriert sich vor allem auf seine erfolgreichen Jahre. Will Bingley hat das Szenario mit so viel Schwung geschrieben wie Thompson seine Artikel in die Tasten gehämmert hat. Das liest sich sehr flott, und die prägnanten Schwarzweiß-Bilder von Hope-Smith nehmen diese Dynamik wunderbar auf.

Ob der Comic Sinn macht, wenn man nie etwas von Thompson gelesen hat? Da ein Großteil der Handlung in die politischen Ereignisse der 1960er und 1970er Jahre eingebettet ist, hat das Buch auch ohne Kenntnis von Thompsons Werken seinen Reiz. Aber man hat natürlich mehr davon, wenn man seine Texte kennt.

Will Bingley und Anthony Hope-Smith: Gonzo
Eine grafische Biografie von Hunter S. Thompson
192 Seiten, Schwarzweiß, 14,95 Euro, Tolkemitt-Verlag, ISBN 978-3-942048-43-9
(Nur zu beziehen über Zweitausendeins).

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2 Gedanken zu “Gonzo

    • Gibt es leider nicht. Manche Verlage stellen keine Leseprobe online. Aber die Zeichnung auf dem Cover ist typisch für die Zeichnungen im Innenteil.

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