Die wahre Geschichte vom Untergang der Alexander Kielland

Das ist wirklich passiert: Im März 1980 sank die norwegische Bohrinsel Alexander Kielland in der Nordsee. 123 der 212 dort tätigen Arbeiter starben. Als Unfallursache wurden Ermüdungserscheinungen am Tragwerk angegeben. Der Journalist David Schraven, ein großer Fan stählerner Metallkolosse, hat sich eine andere Ursache für das Unglück ausgedacht. Er unterstellt Sabotage als Folge einer unglücklichen Liebesgeschichte und hat ein Szenario geschrieben, das ebenso glaubhaft wie spannend ist. Schließlich könnte es so gewesen sein.

Dabei ist nicht nur seine Version der Geschichte an sich interessant, sondern auch die Art, wie er sie erzählt. Sparsam, lakonisch, fast schon geizig mit Worten schreibt er Sätze, die oft nur andeuten – den Raum dazwischen füllen die Assoziationen im Kopf des Lesers. Eine wirklich coole Schreibe, die auf jedes überflüssige Wort verzichtet, und erfreulicherweise ohne diese aufgesetzte Coolness auskommt, mit denen viele Krimiautoren nur noch um sich selber kreisen.

Die Bilder von Vincent Burmeister sind für meinen Geschmack ein bisschen zu amerikanisch, aber zeichnen kann er und kreativ layouten auch. Oft legt er ein Bild als Hintergrund über die komplette Doppelseite und die Panels je nach Bedarf sparsam darüber. Für die Kolorierung bevorzugt er seitenfüllende Farben, die er in den Figuren nur in Nuancen variiert. So entstehen in sich stimmige Atmosphären, die mit der lakonischen Erzählweise gut harmonieren. Hat was, dieses Album.

Vincent Burmeister, David Schraven:
Die wahre Geschichte vom Untergang der Alexander Kielland
64 Seiten, Querformat, gebunden, 19,90 Euro, Carlsen, ISBN 978-3-551-73052-7

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