Kiki de Montparnasse

Ihr bürgerlicher Name war Alice Prin, aber berühmt wurde sie unter Kiki – ihrem Künstlernamen. Im Oktober 1901 unehelich in Châtillon-sur-Seine geboren, kümmerte sich zunächst vor allem ihre Großmutter um das Kind. Mit zwölf zog Alice zu ihrer Mutter, die inzwischen in Paris lebte, weil Alice einen Beruf lernen sollte. Alle Versuche scheitern. Alice mag die Ausbildung nicht, meutert gegen Ausbeutung und stupide Jobs und nimmt schließlich das Angebot eines Bildhauers an: Sie steht ihm Modell und verdient sich damit ein paar Sous.

Mit 16 entdeckt sie die Boheme auf dem Montparnasse. Sie posiert für Maler und wird schnell zum Lieblingsmodell und zur Muse. Die Namen ihrer Freunde lesen sich wie ein „Who is who“ der künstlerischen Avantgarde: Soutine, Modigliani, Kisling, Tsuguharu, Roché, Ray, Picasso, Tzara, Desnos, Breton, Duchamp, Cocteau, Hemingway, Jamblan. Mit dem Fotografen Man Ray ist sie lange liiert – aber auch mit anderen geht sie gerne ins Bett. Sie lässt sich von niemandem reinreden. Sie singt und tanzt in den angesagtesten Clubs, ihre Bilder verkaufen sich gut, sie wird verehrt und gefeiert, kommt aber auf Dauer mit ihrem Drogenkonsum nicht klar. Sie stirbt im Alter von 52 Jahren.

Solch turbulentes Leben auf 370 Seiten unterzubringen, das geht, aber viele der oben erwähnten Künstler verkommen dabei zu purer Dekoration. Sie treten kurz auf und verschwinden schnell wieder. Außer der Tatsache, dass sie mit Kiki bekannt waren, erfährt man nicht viel über sie.

Davon abgesehen ist es eine flotte Erzählung, die vor allem Leser interessieren wird, die mit den Künstlern auch etwas verbinden können. Kann man das nicht, ist es einfach eine Bohemegeschichte. Die Zeichnungen von Catel Muller sind sehr eingängig und mit weichem Strich zu Papier gebracht. Schön anzusehen und süffig zu lesen.

Catel Muller, José-Louis Bocquet: Kiki de Montparnasse
416 Seiten, schwarzweiß, gebunden, 36,- Euro, Carlsen,
ISBN 978-3-551-79109-2

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