Der Krieg der Sambres

Der Zyklus liegt inzwischen komplett vor. Auch er transportiert die typische Atmosphäre von Yslaires Sambre-Reihe – obwohl er von Yslaire nur geschrieben, aber nicht von ihm, sondern von Bastide und Mezial gezeichnet und koloriert wurde. Erzählt wird die Geschichte der ersten Generation der Sambres.

Der Krieg der Sambres beginnt im Frühjahr 1830. Der junge Hugo Sambre heiratet Blanche Dessang – nicht aus Liebe, sondern weil sie schwanger ist. Allerdings nicht von ihm. Nebenbei bringt die Heirat beiden Familien Vorteile. Seinem Schwiegervater, einem alten Haudegen der napoleonischen Garde, den Eintritt in die gute Gesellschaft der Restauration, den Sambres eine fette Mitgift in Form von Kohlebergwerken und einer alten Kupfermine.

Gerade diese Kupfermine ist es, die das Leben von Hugo von einem Tag auf den anderen verändert. Denn dort findet er in einer Höhle menschliche Skelette, die aus vorchristlichen Zeiten zu stammen scheinen und sein Interesse wecken. Leider nicht das seines Vaters. Der möchte die Mine verkaufen, Hugo möchte die Höhle erforschen – woraus sich ein heftiger Familienstreit entwickelt. Dann lernt Hugo Iris, die Frau mit den roten Augen, kennen und entwickelt seine Theorie vom seit Anbeginn aller Zeiten währenden Krieg der Augen.

Die Erzählung von Yslaire ist wie immer kompakt und spannend angelegt. Die zeichnerische Umsetzung ist vielleicht ein Hauch luftiger, insgesamt aber nicht weniger dicht als die der Ursprungsserie. Neben den Landschaften und den Augen der Protagonisten faszinieren vor allem die wie hingezaubert wirkenden Lichteffekte in den von Kerzen und Kaminfeuer beschienenen Panels. Ein Zyklus, der Sambre-Fans begeistern, und Leser, die historische Gesellschaftsdramen lieben, faszinieren wird. Düster, tragisch, hoffnungslos und mit viel Gefühl für stimmige und intensive Atmosphären umgesetzt. Französischer geht es nicht.

Yslaire, Bastide, Mezil: Der Krieg der Sambres (Hugo & Iris)
3 Bände, je 48 – 64 Seiten, gebunden, 16,90 Euro, Carlsen,
ISBN 978-3-551-78271-7 (Band 1)
> Leseprobe
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yslaire-werner+charlotte1Die Reihe Der Krieg der Sambres wird durch einen weiteren Zyklus ergänzt. Werner & Charlotte sind die Vorfahren ersten Grades. Erzählt wird ihr Leben in der Zeit von 1768 bis 1769. Auch dieser Zyklus ist eine Trilogie. Die Geschichte der jungen Charlotte de Sambre, die sich in den jungen Werner verliebt, dessen Herkunft allerdings unklar ist, denn Werner ist ein Waisenkind, wird von Yslaire gewohnt unterhaltsam erzählt. Die Zeichnungen von Boidin sind allerdings die bislang schwächsten der gesamten Sambre-Reihe. Bei weitem nicht so elegant wie die der Vorgänger-Alben.

Natürlich geht es auch diesmal um Intrigen, Geld und Macht, und so wundert es nicht, dass Charlottes Mutter längst einen solventeren Heiratskandidaten für ihre Tochter ausgesucht hat. Spannend erzählt ist das schon – bei alledem hat man aber das Gefühl, dass hier eine wirklich erstklassige Serie durch endlose Fortsetzungen und Zwischenzyklen langsam in Beliebigkeit und Mittelmaß versinkt. Schade drum.

Yslaire, Boidin: Der Krieg der Sambres (Werner & Charlotte)
3 Bände, je 48 – 56 Seiten, gebunden, 16,90 Euro, Carlsen,
ISBN 978-3-551-78274-8 (Band 1)

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