Castro

Der kubanische Revolutionsführer Fidel Castro ist eine der umstrittensten und charismatischsten Figuren der Geschichte. Kleist hat sich an eine Comic-Biografie des Comandante gewagt und sich dabei von Volker Skierka, Autor einer bei Rowohlt erschienen Castro-Biografie, beraten lassen. Das Problem bei der Bearbeitung eines so umfangreichen Stoffes ist, dass man ihn inhaltlich gewichten muss: welche Episode aus Castros Leben nimmt man rein, welche nicht. Und wie vermittelt man die politischen Hintergründe, ohne die man Castro nicht verstehen kann? Und damit sind wir schon mitten im Problem dieses Albums.

Zunächst mal hat Kleist die gute Idee gehabt, die Geschichte von einem fiktiven Journalisten erzählen zu lassen, der sich der revolutionären Bewegung angeschlossen und deshalb viele Dinge selber miterlebt hat. Dadurch kann Kleist die Geschichte gut strukturieren und die Zeitsprünge relativ übersichtlich gestalten. Das Problem ist der politische Hintergrund. Ist es anfangs noch leicht nachvollziehbar, weshalb Menschen sich gegen die Ausbeutung durch Konzerne und Großgrundbesitzer wehren, wird die durch das US-Handelsembargo und den Zusammenbruch des Ostblocks hervorgerufene ökonomische Krise Kubas kaum noch erläutert. Dadurch zerfasert die Geschichte, die stark anfängt, gegen Ende mehr und mehr. Es bleibt das Bild eines ökonomisch niedergehendes Landes, ohne zu erwähnen, was die rebellischen Kubaner im Gegensatz zu den meisten anderen Bewohnern des Kontinents erreicht und sich allen Widerständen zum Trotz bis heute erhalten haben: kostenlose Schulbildung, kostenlose medizinische Versorgung auf höherem Niveau als das der USA, Wohnraum und, wenn auch zeitweise rationierte, Nahrung – für alle.

Zeichnerisch ist Kleist gewohnt stark und liefert Seiten ab, die man sich gerne öfter ansieht. Er schafft es locker, die jeweilige Gemütslage von Castro anhand dessen Mimik zu charakterisieren. Es ist kein schlechtes Album, das er hier vorlegt, und sicher nicht uninteressant. Ich mag sein Havanna aber lieber. Da ist mir einfach mehr Kuba drin.

Reinhard Kleist: Castro
280 Seiten, schwarzweiß, gebunden, 19,90 Euro, Carlsen,
ISBN 978-3-551-78965-5

Update 27.5.2016: Das Album ist jetzt auch als Paperback für 10,99 Euro lieferbar.

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