Gefährten der Dämmerung

Nach Reisende im Wind legt Splitter jetzt auch Bourgeons Serie Gefährten der Dämmerung neu auf. Die Trilogie, die in den 1980er Jahren bei Carlsen erschienen ist, spielt während des Hundertjährigen Krieges, nimmt dieses geschichtliche Ereignis aber mehr als eine Art Hintergrundtapete, vor der Bourgeon drei Menschen zusammenführt, die eigentlich wenig gemeinsam haben.

Da ist zunächst der Ritter ohne Gesicht, der aufgrund seiner finsteren Vergangenheit auch seinen Namen verborgen hält. Dazu gesellt sich der junge Anicet, der sich dem Ritter als Knappe angedient hat, um dem sicheren Tod zu entgehen. Und Bourgeon wäre nicht Bourgeon, gäbe es nicht auch eine weibliche Hauptperson, die ebenso sinnlich wie eigensinnig ist und ihren Kopf immer wieder durchsetzt. Es ist Mariotte, die Tochter einer Frau, die als Hexe bezeichnet wird, weil sie sich mit Kräutern und Heilmitteln auskennt.

Angereichert wird die Geschichte durch allerlei Fabelwesen, wodurch auch viele Fantasyelemente in die Geschichte integriert werden. Da sind zum Beispiel die kleinen Gnome des Nebelwaldes, die nur in Reimen sprechen: „Die Menschen werden, unbeschürzt, / zerstückelt und mit Salz gewürzt. / Wir verteilen sie extrem sozial / unter uns als Mittagsmahl.“ Oder die gefährlichen Düarden, die in den Sümpfen leben, die die drei auf der Suche nach der schwarzen Kraft durchqueren müssen.

Bourgeon liefert hier eine amüsante Mischung aus Abenteuer, Fantasy und Humor, und wenn sie auch nicht so kultig ist wie Die Reisenden im Wind, sind Die Gefährten der Dämmerung doch eine unterhaltsame Reihe. Band 2 soll im August, der abschließende Band 3 im Oktober erscheinen. Wer die alte Carlsen-Hardcover-Ausgabe hat, und sich fragt, ob er sich die Neuauflage zulegen soll: Natürlich sind Splitter-Alben immer superedel verarbeitet, aber die Unterschiede sind hier eher minimal und mehr für Sammler interessant.

François Bourgeon: Die Gefährten der Dämmerung
Band 1 + 2: je 56 Seiten, 14,80 Euro, Band 3: 144 Seiten, 29,80 Euro, gebunden, Splitter, ISBN 978-3-86869-144-3 (Band 1)
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3 Gedanken zu “Gefährten der Dämmerung

  1. Ach, das ist schön. »Gefährten der Dämmerung« gehört zu meinen Lieblingen, diese komplexe, mystische Story ist echt atemberaubend.

    Vergessen wir auch nicht die von Bourgeon gern eingesetzte (auf Cover, Rückseite oder Umschlag meist zur Verkaufsförderung etwas übertriebene) Erotik, die seine Werke ja eigentlich immer haben.

  2. Die „Gefährten der Dämmerung“ eine „amüsante Mischung“? Eine „unterhaltsame Reihe“? Ich nehme an, dass, wer auch immer diese Rezension geschrieben hat, nicht den gleichen Comic gelesen hat wie ich. Gerade der dritte Band ist weder amüsant noch unterhaltsam. Einen sperrigeren Comic habe ich selten gelesen – aber eben auch keinen schöneren.

  3. Ja, Schü, du hast nicht unrecht. Die Reihe ist streckenweise auch recht sperrig und grausam.

    Als sie in den 1980er Jahren erschien, hat sie mir sehr gefallen. Damals gab es wenig vergleichbares. Heute finde ich sie eher anstrengend zu lesen, mit ihrer zusammengefrickelten Fantasy-, Mystik- und Ritterstory und dem ganzen Kleinklein in den Panels und den Bildern. Man merkt, dass Bourgeon früher Glasmaler war.

    Ich finde die Serie trotzdem streckenweise „amüsant“ und „unterhaltsam“- das sind ja die Markenzeichen von Bourgeons Erzählweise. Einfach deshalb, weil seine Charaktere so originell sind.

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