Der tägliche Wahn

Ursprünglich hatte Ehapa die Geschichten aus dieser Reihe zwischen 1989 und 1997 in drei Bänden aufgelegt. Prado skizziert darin absurde und kafkaeske Situationen des Alltags. Ein Taxifahrer lässt sich erst Zeugnisse vorlegen, bevor er Passagiere befördert. Ein Angestellter fordert die drei Hexen aus Macbeth auf, ihm die Verkaufslizenzen für ihre Zaubertränke zu zeigen. Ein Plastikfanatiker kämpft für die Schließung des letzten Parks. Eine Reise ins wilde Afrika endet in einem Fotostudio mit afrikanischen Kulissen, eine friedliche Landpartie mit einem Blattschuss.

Vieles ist originell und einfallsreich, mancher Gag wirkt eher bemüht als spritzig. Trotzdem schön, dass die Geschichten jetzt als Gesamtausgabe vorliegen, denn die Zeichnungen sind wirklich stark.

Die Figuren sind treffend karikiert, die Mimik seiner Protagonisten trifft immer ins Schwarze, die schrägen Gesichter entlarven wie bei Baru den abgelebten Charakter hinter der aufgelegten Schminke. Die Bürokraten und die Karrieristen, die Irren und die Normalen, die Machos und die Schicksen, die Heuchler und die Moralisten – ein grafisches Kabinett des menschlichen Irrsinns, in dem die Bilder weit mehr sagen als die Texte.  Vor allem ihretwegen lohnt dieses Album. Auch die Seitenkompositionen – oft mit unterschiedlicher Technik ausgeführt – sind streckenweise vom Feinsten.

Miguelanxo Prado: Der tägliche Wahn (Gesamtausgabe)
192 Seiten, gebunden, 39,95 Euro, Ehapa, ISBN 978-3-7704-3376-6

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