Mattéo

Jean-Pierre Gibrat hat schon in seinen Zweiteilern Der Aufschub und Diebe und Denunzianten bewiesen, dass er ein ebenso guter Erzähler wie begnadeter Zeichner ist. Die Farben, das fast schon poetische Spiel mit Licht und Schatten, das Gefühl für die zarten Zwischentöne und seine rundum sympathischen Hauptfiguren machen seine Alben immer wieder zu einem Erlebnis. Nicht zuletzt deshalb, weil seine Geschichten in einem interessanten politischen Umfeld angesiedelt sind und die Akteure dabei sehr eigensinnige Wege gehen.

In der neuen Reihe erzählt Gibrat von einem jungen Mann, dessen Vater wegen anarchistischen Aktivitäten aus Spanien nach Frankreich fliehen musste. Dort lebt Mattéo in einem kleinen Ort, als der Erste Weltkrieg ausbricht. Die Siegesbesoffenheit der Franzosen, die glauben, bis Weihnachten in Berlin zu stehen, kann er nicht teilen. Da er spanischer Staatsbürger ist, wird er bei der Mobilmachung nicht eingezogen.

Das kommt bei den älteren Dorfbewohnern nicht gut an. Sie behandeln ihn als Drückeberger. Ihm wäre das im Prinzip egal, aber da ist die schöne Juliette, in die er verliebt ist, die ihm aber dauernd von Guillaume, dem Sohn des Gutsbesitzers, vorschwärmt. Als der dann auch noch zu den Fliegern geht und damit eine Art Heldenstatus erreicht, ist Mattéo klar: „Für mich führt die Rückeroberung Juilettes immer noch über die des Elsass und die von Lothringen.“ Und meldet sich als Freiwilliger an die Front.

Die Reihe ist auf vier Bände angelegt. Bis zum Abschluss der Serie wird es also noch dauern. Man darf sich darauf freuen. Gibrats Zeichnungen sind etwas, in das man sich verlieben kann. Und seine Geschichten sind auf eine seltsame Art emotional sättigend. Einfach lecker.

Update 7.8.2011: Band zwei ist da.  Mattéo hat es nach St. Petersbug verschlagen. Er will die beginnende russische Revolution unterstützen. Doch seine anarchistischen Ansichten kommen bei den Bolschewiki nicht gut an. Nach wie vor klasse gezeichnet und prima erzählt.

Update 18.5.2014: Band drei ist da. Im August 1936 ist Mattéo für zwei Wochen zuhause und bandelt wieder mit Juilette an. Aber hinter der nahen Grenze entwickelt sich der spanische Bürgerkrieg. Eine eher ruhiger Band mit wenig Action, aber gewohnt schönen Zeichnungen.

Top 10 Jean-Pierre Gibrat: Mattéo
je 64 bis 76 Seiten, gebunden, 15,-bis 19,- Euro, Salleck Publications,
ISBN 978-3-89908-326-2 (Band 1)

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