Mit fremder Feder

Bei Finix erschienen bislang Fortsetzungen von Comicserien, die in anderen Verlagen publiziert, dort aber irgendwann eingestellt wurden. So kann man bei Finix zum Beispiel die Folgebände von Wind der Götter, Die Füchsin, Exalibur und einem halben Dutzend weiterer Serien finden. Um das Angebot zu erweitern, hat Finix jetzt die Edition Solitaire ins Leben gerufen. Darin sollen halbjährlich ausgesuchte Einzelbände in edler Aufmachung erscheinen.

Den Anfang macht ein Album von Fabrice Lebeault, das ansprechend gestaltet ist und eine spannende Geschichte zu erzählen hat. Sie spielt Ende des 19. Jahrhunderts in Paris. Der Rabe – eine Romanfigur aus einem Groschenheft – macht sich Sorgen um seine Popularität. Bislang ist er recht bekannt, da die Hefte rege Verbreitung finden. Aber wie lange wird der Ruhm halten? Würde er nicht länger währen, wenn er einen echt fiesen Charakter bekäme? Irgendetwas, das der Leser lange im Gedächtnis behält?

Die Romanfiguren leben in einer Art Parallelwelt. Sie können mit ihrem Schöpfer – dem Buchautor – in Verbindung treten, wenn sie ihn kennen, und ihn bitten, ihre Rolle umzuschreiben oder zu erweitern. Aber der Rabe findet den Kontakt nicht, und so muss er sich einem jungen Schriftsteller offenbaren, der eigentlich in Konkurrenz zu dem Autor des Raben steht und vermutet, dass dessen Hefte allesamt nichts anderes als billige Plagiate sind.

Die Idee der Geschichte ist originell und entwickelt sich einfallsreich weiter. Die Zeichnungen wirken dadurch, dass sie wenig Details enthalten, etwas leer, sind aber durchaus sehenswert. Der Comic umfasst 66 Seiten. Finix hat in einem zwölfseitigem Anhang das Manuskript angefügt, das Lebeault ursprünglich an seinen Verleger geschickt hat. Das bringt nicht wirklich viel, da es inhaltlich wenig Neues enthält.

Insgesamt ist „Mit fremder Feder“ ein sehr unterhaltsames Album. Wenn Finix diese Qualität beibehält oder steigert – und die angekündigten Titel lassen das vermuten – wird die Edition Solitaire zu einer Bereicherung der Comiclandschaft werden.

Fabrice Lebeault: Mit fremder Feder
80 Seiten, gebunden, 17,80 Euro, Finix, ISBN 978-3-941236-22-6
> Leseprobe

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2 Gedanken zu “Mit fremder Feder

  1. Ich finde, die ursprüngliche Fassung im Anhang unterscheidet sich an einigen Stellen doch merklich von dem finalen Comic und ist insofern interessant.

  2. Ja und nein. Es kommt darauf an, für wen.

    Wenn ich ein Fan von Lebeault bin und es genau wissen möchte, oder wenn ich Sammler bin und mir kein Detail entgehen lassen will, mag das sein. Für den durchschnittlichen Leser dürfte dieser Anhang aber weniger interessant sein.

    Nicht zuletzt deshalb, weil 12 Seiten mehr Material das Album um zwei, drei oder vier Euro teurer machen. In dem Zusammenhang finde ich zusätzliche Skizzen im Anhang, wie zb bei „Canoe Bay“, eher vertretbar – obwohl Leute im Comicforum auch da die Meinung vertreten haben, dass sie gerne auf die Skizzen verzichtet hätten, wenn das Album dadurch etwas preiswerter geworden wäre.

    Ich denke, man muss immer den normalen Leser im Auge behalten. Für alle anderen kann man ja Spezialausgaben publizieren.

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