Inspektor Canardo 11, 18, 19

sokal-canardo-11Als 1983 das erste Canardo-Album bei Carlsen erschien, war diese Art der Erzählung ziemlich ungewöhnlich. Ein Privatdetektiv im Bogart-Trenchcoat – okay. Aber dass es sich nicht um einen Mensch, sondern um eine Ente handelte, und auch alle anderen Figuren Tiere waren, das war neu. Und spannend. Und klasse gemacht.

Denn die Ente agierte absolut cool, hatte oft mehr beobachtenden als ermittelnden Status, und manche Dinge liefen einfach auch komplett an ihr vorbei. Die Geschichten waren teils zynisch, oft tragisch, und immer melancholisch. Ein Hauch von Vergeblich- und Vergänglichkeit umwehte Figuren wie Szenarien. Dramen ohne Ende, aber doch auch nicht wirklich wichtig. Wie das Leben – ebenso sinnlos und stumpfsinnig wie wunderbar. Und die Ente in ihrem alten Cadillac sokal-canardo-18Eldorado Biarritz 1956 gab den Loser so überzeugend, das sie schnell zur Kultfigur wurde.

Die Serie lief bei Carlsen und wurde später von Schreiber & Leser fortgesetzt. Jetzt wurde mit Band 11 die letzte Lücke geschlossen und mit Band 18 gleichzeitig der aktuelle Band publiziert.

In Band 11 wird Canardo ans Sterbebett eines alten Mannes gerufen, der nur noch wenige Stunden zu leben hat. Das stört seine Familie weniger als die Tatsache, dass er bislang nicht verraten hat, wo er den Schatz versteckt hat, den er während des Krieges mitgehen lassen hat. Canardo soll ihn finden. Glücklicherweise hat ein befreundeter Techniker gerade eine Zeitmaschine entwickelt. Was liegt also näher, als dass die Ente sich ins Jahr 1944 begibt.

In Band 18 schlägt sich der männliche Nachwuchs der Dynastie von Belgamburg mit seinen Hormonen und den Ansprüchen seiner Mutter herum, die immer wieder mit viel Geld dafür sorgen muss, dass die sexuellen Verirrungen ihres Sohnes keinen Weg auf die Titelseiten der Klatschpresse finden. Als der Filius eines Tages eine junge Frau bei einem Verkehrsunfall so schwer verletzt, dass ihr Gesicht aussieht wie eine mit dem Belag nach unten gefallene Pizza, fangen die Probleme erst richtig an. Nicht ganz so originell wie Band 11, aber doch ein echter Canardo.

Update 18.11.2010: Band 19 (Opas Asche) ist da. Schauderhaft. Bestenfalls noch eine Kopie seiner selbst, aber eine schlechte. Die Zeichnungen sind gut wie immer, aber die Story ist sowas von öde, und die abgelutschten Dialoge sind so krampfhaft auf locker gemacht, dass man das Gefühl hat, es wäre besser, Sokal würde die Serie beenden. 18 unterhaltsame Alben – das ist immerhin mehr, als andere geschafft haben.

Benoît Sokal: Inspektor Canardo (11: Sterbenswörtchen)
48 Seiten, 12,95 Euro, Schreiber & Leser, ISBN 978-3-941239-17-3
> Leseprobe

Benoît Sokal: Inspektor Canardo (18: Die Frau ohne Gesicht)
48 Seiten, 12,95 Euro, Schreiber & Leser, ISBN 978-3-941239-22-7
> Leseprobe

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