Sambre – Krieg der Augen

yslaire-sambre-kriegderaugenYslaires Vierteiler „Sambre“ erschien zwischen 1987 und 1997 bei Carlsen und avancierte schnell zur Kult-Serie. Was Yslaire, der im ersten Teil noch mit Balac (alias Yann) zusammen arbeitete, hier ablieferte, war tatsächlich Comickunst vom Feinsten. Ein Melodram, wie es nur Franzosen schreiben können, ganz in der Tradition der großen französischen Erzähler wie Victor Hugo und Honoré de Balzac.

Die Geschichte erzählt von einer Adelsfamilie, die Mitte des 19. Jahrhunderts lebt, deren Mitglieder etwas verschroben sind. Am schlimmsten ist Vater Hugo Sambre, der nachzuweisen versucht, dass Menschen mit roten Augen Unglück bringen. Dummerweise verliebt sich sein Sohn Bernhard ausgerechnet in die junge Wilddiebin Julie. Keine Frage, welche Farbe ihre Augen haben. Keine Frage, wie die Familie darauf reagiert.

Was sich aus dem Konflikt zwischen Einhaltung von Familientraditionen und purer Leidenschaft ergibt, ist rasant erzählt, und in so edle Bilder mit einer so erlesenen Kolorierung umgesetzt, dass diese düster-romantische Geschichte auch optisch zu einem besonderen Genuss wird. Sie endet in den Wirren der Pariser Februarrevolution von 1848. Tragisch, selbstverständlich.

Yslaire wandte sich anderen Projekten zu („Der XX. Himmel“), arbeitet aber inzwischen an einem neuen vierbändigen Sambre-Zyklus als Fortsetzung der bisherigen Geschichte (beginnend mit Band 5). Aus diesem Grund hat Carlsen die vier (vergriffenen) Bände des ersten Zyklus in dieser Gesamtausgabe unter dem Titel Sambre  – Der Krieg der Augen neu aufgelegt. Die Frage, ob sich die Gesamtausgabe lohnt, wenn man die Einzelbände bereits hat, lässt sich klar bejahen – die Farbgebung wurde sichtbar verbessert.

Während Sambre – Der Krieg der Augen (Band 1 – 4) vom Leben der zweiten Generation der Familie berichtet, beschreibt die Fortsetzung ab Band 5 das Leben dritten Generation. Wir begegnen Julie wieder, die wegen Rebellion im Kerker sitzt, dem schmierigen Polizeiinspektor Guizot, der sie ans andere Ende der Welt verfrachten will, und die bigotte Sarah ist auch mit von der Partie. Spannend, dramatisch, und auch zeichnerisch in gewohnt starker Qualität. Es gibt niemanden, der auch nur annährend so elegante Zeichnungen abliefert wie Yslaire. Als Ergänzung erschien die dreibändige Reihe Der Krieg der Sambres – Hugo und Iris, die sich mit der ersten Generation der Familie beschäftigt.

Yslaire, Balac: Sambre – Der Krieg der Augen (Sammelband 1 – 4)
224 Seiten, gebunden, 39,90 Euro, Carlsen, ISBN 978-3-551-77946-5
> Leseprobe

Yslaire: Sambre – Der Krieg der Augen (Band 5 + 6 / wird fortgesetzt)
je 48/58 Seiten, gebunden, 16,- Euro, Carlsen, ISBN 978-3-551-77945-8 (Bd. 5)

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