Meine Mutter …

bravo-meine-mutterDer kleine Jean befindet sich in höchster Not, als er in der Schule erzählen soll, was seine Eltern beruflich machen. Sein Vater ist Firmenchef, soviel ist klar, doch seine Mutter lebt nicht bei der Familie. Über sie weiß Jean so gut wie gar nichts. Deswegen beginnt er, sich das Leben seiner Mutter in Gedanken auszumalen. Er gibt an, sie sei Sekretärin. Später behauptet er, sie sei auf Reisen. Als ihm das als Widerspruch vorgehalten wird, kontert er, sie sei Reisesekretärin.

Er versteht nicht, weshalb seine Mutter nie zuhause ist. Er kann sich auch nicht an sie erinnern. Aber die Tochter des Nachbarn liest ihm ab und zu Postkarten vor, die seine Mutter ihm geschrieben hat. Aus Spanien. Aus Afrika. Aus Amerika. Jean wundert sich, dass seine Mutter die Karten nicht an ihn selber schickt.

Jean Regnaud erzählt die Geschichte eines Kindes, das sich, weil es keine eigenen Informationen darüber hat, einen Teil seiner Welt selber zusammenphantasieren muss. Das ist teils komisch, teils tragisch, und die knopfäugigen Bilder von Émile Bravo illustrieren die Geschichte kongenial. Ein leises, leicht melancholisches, durch seine Situationskomik auch amüsantes Album mit viel Tiefgang, das zweifellos zu den besten Neuerscheinungen dieses Jahres gehört.

Update 21.11.2014: Carlsen hat den Comic als Paperback für 9,99 Euro neu aufgelegt.

Émile Bravo, Jean Regnaud: Meine Mutter ist in Amerika und hat Buffalo Bill getroffen
128 Seiten, gebunden, 17,90 Euro, Carlsen, ISBN 978-3-551-77790-4
> Leseprobe

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