Professor Bell 3

sfar-professor-bell3Joann Sfar ist einer der vielseitigsten Comiczeichner und -autoren Frankreichs. Seine Reihe „Die Katze des Rabbiners“ ist purer Kult, mit „Desmodus“ hat er eine wunderbare Vampirfigur für Kinder geschaffen, und am fantasievollen „Donjon-Universum“ arbeitet er ebenfalls mit. Die Alben mit „Professor Bell“ wirken wie eine Mischung aus der schier schrankenlosen Fabulierkunst der Donjon-Serie und der Skurrilität, die man aus Tardis „Adele“-Reihe kennt. Da laufen Monster, Geister und Menschen mit zwei Köpfen über die Seiten, und mittendrin versucht Professor Bell immer wieder, die Dinge in Ordnung zu bringen.

Der Professor ist eigentlich Chirurg, kümmert sich aber auch therapeutisch um ein Gespenst, dem er klar zu machen versucht, dass es nicht übernatürlich, sondern eher neurotisch ist, 800 Jahre lang Nacht für Nacht das Gleiche zu tun. Das ist soweit okay, denn Bell hat sich auf die Arbeit mit Monstern spezialisiert, weil er das für abwechslungsreicher als die Beschäftigung mit Menschen hält. Leider muss er sich dabei auch mit Banalitäten herumschlagen – wie mit den siamesischen Zwillingen, die ihn aufgesucht haben, weil sie schwanger waren, aber behaupteten, Jungfrau zu sein. Er sollte nachweisen, welche von beiden sich hatte schwängern lassen.

Im „Affenkönig“ hat Bell wieder etwas ernsthaftes zu tun. Ein fünf Meter großer Riesenaffe ist ausgebrochen und muss eingefangen werden. Die Geschichte ist vielleicht nicht die einfallsreichste der Serie, aber wie alle anderen auch unterhaltsam zu lesen. Das Szenario ist von Sfar, die Zeichnungen sind von Hervé Tanquerelle und Sfars Stil sehr ähnlich, allerdings etwas detailfreudiger.

Ich frage mich nur, weshalb die Softcoveralben von avant oft so leseunfreundlich gebunden sind – sie lassen sich aufgeklappt schwer in der Hand halten. Davon abgesehen wird jeder, der „Donjon“ oder „Adele“ mag oder sonstwie dem schrägen Humor frönt, auch an dieser Reihe seine Freude haben. Jeder Band ist in sich abgeschlossen – die Kenntnis der Vorgängeralben erleichtert aber die Übersicht über das Figurenkabinett. Der erste Band, der nicht nur von Sfar geschrieben, sondern auch von ihm gezeichnet ist, ist für meinen Geschmack der beste.

Joann Sfar, Hervé Tanquerelle: Professor Bell 3 – Der Affenkönig
48 Seiten, 14,95 Euro, avant, ISBN 978-3-939080-04-6
> Leseprobe (Band 2)

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